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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-01-23 · 4 (23.1.1935) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
4 (23.1.1935)
Date
1935-01-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1. Beilage 23. Januar 1935 JÜDISCHE AUGEMEME ZEITUNG Die Hauptverfammlung der religiös-liberalen Vereinigung Leo Baeek: Kein Judentum ohne Sabbat Das Thema, das hier gestellt ist, lautet „unser Sabbat". Es sind zwei Beeriffspaarc, die zunächst klarzustellen sind, wenn man verstehen will, was uns unser Sabbat ist. Das erBte Begriffspaar ist das der soviel gesprochenen und wiederholten Begriffe „rational" und „irrational . Was bedeutet das Rationale? Wenn der Mensch nicht nur handelt, nicht nur in seinem Dasein sich bewegt, sondern um sein Handeln weiß, sich seines Daseins bewußt wird, dann hat er das Verlangen, Ordnung in die Erfahrungen und Erlebnisse zu bringen, die ihm sein Handeln und die Reihe der Tage in seinem Dasein gebracht haben. Seit Menschen derart nachdenken, ist es darum immer wieder versucht worden, Gosctze, Maßstäbe als Ergebnisse der Erfahrung, Ergebnisse der Dascinscrlebnisso festzustellen. Der Mensch will sich zurecht finden, er will vom bloßen Moment, der jetzt das und als nächster Moment das besagt, befreit werden. Und ferner, da er ein Mensch unter Menschen ist, ein Dasein, das in das Dasein anderer hineingestellt ist, führt, sucht er auch darin Ordnung, Bestimmtheit und System zu bringen; um auch das alles, was Menschen zusammenführt und zusammenhält, zu gestalten. Dies ist das Rationale, dieses Bedürfnis nach dem Ordnungesystem, das Bedürfnis danach, gegen das bloße Kommende und Gehende und seino Zufälligkeit gesichert zu werden, daB Bedürfnis danach, alles das, was MenBchcn zusammenhält, und alles daB, was die Mannigfaltigkeit der Erfahrungen zusammensetzt, zu befestigen und zu ordnen. Darum »st das Rationale, wenn man es von der Sprache her deuten will, das „Es". Das Wort von ihm laufet: Ea ist sö; es ergibt sich bo. Es ist so, das ist die Erfahrung, das ist das Gesetz, das aus der Erfahrung herausgeholt worden ist, und das die Zwecke bestimmt. Solange Menschen über sich selber, über ihr Tun, ihre Tage nachdenken, haben sie immer wieder festzustellen versucht, daß es bo ist, durch Zweckmäßigkeit, durch regelmäßige Wiederkehr, daß es eben so ist. Aber der Mensch hat doch andere Erfahrungen auch noch gemacht. Er erlebt das Unberechenbare des Lebens, er erlebt es, daß Gefühle, Spannungen, Antriebe ihn bewegen und ihn bestimmen, Spannungen, Gefühle, Antriebe, die sich in dieses Ordnungssystcm des nationalen nicht lüncinfügcn. Er erlebt etwas, was sich in die Zweckmäßigkeit und in die Gcsetzcamäßigkeit nicht einfügt, und wenn er das erlebt, kann es in zwiefacher Weise sich persönlich gestalten. Er erlebt, daß etwas auf ihn einwirkt und eindringt, was in kein Gesetz und keine zweckhaftc Ordnung einpaßt, und er leugnet und verwirft dann alle diese Gestaltungen. Er will ihrer enthoben sein. Er wird der anarchisch Individuelle, der keine Bestimmtheit durch Gesetz und Zwecke'anerkennt. Aber der Mensch erlebt es in anderer Weise noch, und dieses andere ist das eigentlich. Irrationale. Er erlebt, daß es etwas gibt, was ihn bindet, was ihn verpflichtet, und was durch jenes Ordnungssystem ihn nicht, oder nicht mit der gleichen Stärke, verpflichten würde,.. Er . erlebt Gesetze, .Werte und Ziele, die 'über alles das hinaus reichen, was durch jenes,Rationale erfaßt wird,'und ihn aus einer tieferen Tiefe, als jenes ist, orgreifen. Er erlebt etwas, was lebendiger, bleibender, bestimmter ist als jenes Ordnungssyatem, jenes Rationale. Ein Beispiel kann es verdeutlichen. Für uns ist es, durch die religiöse Erziehung der Jahrhunderte ein Selbstverständliches, aber im Grunde ist es voller Problematik, 'daß der Mensch gut ist, daß er, wie ,daB Fremdwort;früher sagte, ein Altruist, ein für den Nebenmenschen Lebender ist Denn das widerspricht doch aller bloßen Vernunft. Wenn man den Menschen von der Vernunft her zu bestimmen versucht hatte, wie es Plato in alter Zeit, Hobbes und Spinoza in späterer Zeit versucht hatten, dann ist man immer zu der Erkenntnis gekommen, daß der Monsch von Natur ein Egoist ist. Wie Hobbes es etwas zugespitzt gefaßt hat: Der Mensch ist für den Menschen ein Wolf. So is.t es in der .Tat. Wenn der Mensch zum Menschen gut ist, dann geht dies nicht aus dem Natürlichen hervor, sondern weil etwas auf ihn wirkt, was dem rein Natürlichen widerspricht. Ebenso, wenn er auf so manches verzichtet, wenn er sich selber Schranken setzt. Natürlich ist es nicht, sondern es ist aus dem Erlebnis hervorgegangen, das er gewonnen oder das durch andere in ihm geweckt worden ist, daß der Mensch an ein übervernünftiges, an ein Jenseitiges gebunden ist. Das Wissen darum ist das Irrationale. Man kann es wieder im Sprachlichen verdeutlichen. Wahrend dos Ratioaale sagt: e s ist so, vermöge dieses Ordnungs- 8yateras, ist das Wort des Irrationalen: Ich,— nicht das Ich der Laune, nicht das Ich des Egoismus, nicht'das Ich der Begehrlichkeit, sondern das religiöse Ich, dieses Erlebnis des Ich, mit dem alle Religiosität anfängt. Das Ilationale, und, das Irrationale sind nun aber nicht sich ausschließende Gegensätze, sondern sie gehören zusammen. Das Rationalo ohne das Irrationale, das wirf:die bloße'Nützlichkeit, das stete Streben nach immer neuen Ordnungssystemen. ' Das Irrationale ohne das Rationale, das macht den Menschen leicht zum Einsiedler; er fühlt sich, gewiß,' an ein' Höheres, Ubervernünftiges gebunden, aber er verkennt und verwirft oft die Bindung seines Daseins an das Dasein. anderer, wie Bie die Gesetze des Daseins verlangen. Ein Mensch des Irrationalen ohne den Sinn für das Rationale'wird oft — dies Wort im geistigen Sinno genommen — ein Anarchist. ' " Dos ist das erste Begriffspaar. Daran schließt steh das zweite, an dem unser Sabbat verständlicher wird: ' . Konvention oder Tradition. - > Jeder Mensch lebt' im Bereiche einer Konvention, wenn er in einem mit änderen gemeinsamen Bereiche lebt. Wo immer Menschen zusammen leben, bilden sich' gemeinsame Formen des Ge- ,' habens und Auftretens, .oben diese Konvention. Wir brauchen sie schon deswegen, damit die Energie der Menschen sich nicht an Unnützes verzettle. Es. wird Tatkraft erspart,, es ist eine Ökonomie der; Kraft, wenn sich der Mensch ''nicht üi gewissen Dingen persönlichj zu betätigen braucht, sondern nur das tut, was man tut; ein Mensch, der gegen die Konvention wäre, wäre ein Don Quichote. Ihr Wort ist darum dieses „man". Tradition ist etwas anderes. Tradition ist nicht Sache der Gesellschaft, dos „Man", sondern Tradition ist Sache der Gemeinschaft, die durch die Geschichte bestimmt ist. ' Alle Tradition ist Anerkennung der an sich nicht weiter zu begründenden Geschichte, der Geschichte, die ich nicht gomacht habe, für die ich nicht verantwortlich bin. Aber die Tradition erkennt die Geschichte an, sie hat den Respekt vor ihr, aic will vor ihr und durch sie bestehen. Ihr Wort ist darum nicht „man", sondern „wir". Wir tun das bo, sagt dio Tradition, während die Konvention sagt: „man" tut es. Konvention ist Anpassung, notwendige Anpassung. Tradition ist die Fähigkeit, sich nicht anzupassen, das Wir zu postulieren, dos Wir zu Bprcchcn. Darum Bind Menschen mit starkem Bewußtsein der Tradition unabhängiger gegen die Konvention, freier gegenüber ihrer Mode. Der Mensch ohne Tradition geht dagegen leicht ganz in der Konvention auf. Man kann es beobachten, wie Menschen, die ein starkes Gefühl für die Tradition haben, die die Fähigkeit besitzen, zu sagen: Wir, verhältnismäßig "leichgültiger gegen das joweila Geltende aind als der Bourgeois, der das Gefühl für die Tradition nicht besitzt und nur das Gefühl für die Konvention, für dio Mode, für daa Moderne hat. Aber auch diese beiden sind nicht ein Entweder-Oder. Tradition verneint nicht eine Einfügung in die Konvention, und dio Einfügung in die Konvention schließt nicht die Tradition aus. Sie beide können Bich miteinander vertragen, oft sehr gut vertragen. Hieraus wird auch klarer, was Konservativismus und was Liberalismus ist. Im Konservativismus ist unzweifelhaft das Gefühl für die Tradition stark, für dieso Tradition,, die sich nicht zu rechtfertigen braucht, die eben da ist, wie die Geschichte da ist. Und im Liberalismus liegt die Gefahr, daß er der Tradition fremd werden kann. Ebenso ist ea mit Bezug auf das andere Begriffapaar. Im Konservativismus liegt es an sich, daß er Verständnis für die Bindung ans Jenseitige hat, und im Liberalismus ist die Gefahr, daß er diese Bindung verlieren kann. Aber es iBt notwendig, dieses festzustellen, daß diese Begriffspaarc nicht ausschließende sind. Eb gibt keinen echten Konservativismus ohne ein [ewisses Maß von Liberalismus, sonst wird er rückschritti c h , und es gibt keinen echten Liberalismus ohne ein gewisses Maß von Konservativismus, sonst wird er Radikalismus und Haltlosigkeit. Es war im 19. Jahrhundert der Mangel des Liberalismus, daß er bisweilen den Sinn für das Irrationale verlor, daß er dann nur vom Ich sprach, das sich zu genügen suchte, und nicht von einem an ein Höheres gebundenes Ich. Es war die Gefahr der Orthodoxie, daß sie das Irrationale rationalisierte, daß für Bie daa Religiöse bisweilen bloßes Ordnungssystem sein Bollte. Und nicht minder war darum auch die Stellung zu dem anderen Bepriffapaar.. die .gcÜÜirdotc—.Der .Liberalismus, .soviel er. von. der Geschichte sprach, hatte nicht immer dos Gefühl für Tradition, auch den Gottesdienst bestimmte für ihn oft die Anpassung der Konvention. Für die Orthodoxie galt oft eine ähnliche Gefahr, daß nämlich für sio die Tradition, wenn so gesagt werden darf, mehr Religionsgesellschaft als Religionsgemeinschaft wurde. Aber was hat daa nun dem Sabbat, unserem Sabbat zu sagen? Seine Idee, sein Sinn, seine Bedeutung ist, daß er der Tag ist, der immer wieder für dieses Zwiefache den Sinn weckt und wach hält: für dos Irrationale und für die Tradition. Im Sabbat ist der Sinn für das Irrationale gleichsam Form geworden. Was bedeutet es, den Sabbat zu halten? Nützlich ist es nicht, nützlich könnte es sein, diesen Tag zum Tage des Werkes ganz zu gestalten, oder nützlich könnte es sein, ihn zum Tage der Ausspannung und der Rast zu machen. Aber das besitzen, was der Sabbat sein will, einen Tag der Ruhe, einen Tag, an dem der Mensch sich heraushebt aus dem alltäglichen Leben, dos läßt sich rational nicht begründen. Für den Sabbat ist zur Begründung ein Zwiefaches angefahrt. Im 2. Buch Mose ist gesagt: Gott' hat an diesem Tage geruht. Daa ist ein Wort, das mit der Vernunft f nicht zu begreifen ist. Die Welt ist voller Leben, die Bewegung erhält sie am Leben. Die Bewegung aufheben, das widerspricht allem Ordnungssystcm. Aber wenn der Mensch dessen, was ihn bindet, im tiefsten und stärksten bewußt werden will, wenn er zu sich zurück kommen will, daim erführt er Ruhe von der Bewegung, von dor Arbeit und dem Vergnügen, auch von der Rast und der bloßen Ausspannung. Und in der anderen Begründung im 5. Buch Mose ist gesagt: damit Dein Knecht, Deine Magd ruhe wie Du. Das Soziale spricht liier. Durch den Sabbat werden alle gleich. Dio Woche scheidet und sondert, bildet Kasten und Ordnungen unter den Menschen; es gibt dio Herren und dio Knechte, die Vorgesetzten und die Untergebenen. Arbeit achafft Scheidungen, Sabbat läßt den Menschen gleich sein mit jedem anderen Menschen. Huhe, das ist für jeden dasselbe, Sabbat für jeden daB gleiche. Dieses Irrationalen, dieses von Gott her Gcbiotcnden" bewußt zu werden, an einem Tage über die Gründe des Lebens zu erfahren, das iflt unser Sabbat. Darum ist er durch Tradition und nicht durch Konvention bestimmt. Es darf nicht gefragt werden, was in Geltung IBt, nicht was man tut, was man meint, was man spricht, sondern, was wir tun. Und das Wir ist nicht gestern geboren, von ihm stammen wir her; „wir", daB iBt die Tradition, das ist dio Geschichte. Wir können den Sabbat nicht Bchaffcn, dio Tradition bcatimmt ihn, die Geschichte hat ihn geschaffen. Wir können ihn ausgestalten, aber es darf nur der Sabbat der Tradition »ein, der Sabbat, in dem das Wort „Wir" gesprochen werden kann. Wir feiern den Sabbat. Hierzu kommt eines: der Sabbat ist ein Abend der Woche, der siebente Tag, und er iBt doch Einleitung der Woche, Wiedergeburt der Woche, so wie das Wort es meint, das das Altertum schon sprach, und das uns aus dem Gebete des Freitagabend bekannt ist: „In der Welt dor Zeit das letzte, der siebente Tag, in der Welt der Idee, der Beginn." Damit ist er der Tag der Freiheit, denn immer, wenn etwa» aufhört und zugleich beginnt, ist der Mcnach frei. In der dahingehenden Zeit ist er nicht frei, in der Arbeit, in den Erfahrungen, in dem gewiesenen Ordnungssystcm des Daseins ist er nicht frei; denn er ist eingespannt in irgendetwas. Durch den Sabbat wird er frei. Und die große Aufgabe ist: der freie Jude! Ein Jude, der nicht Freiheit immer wieder gewinnt, hört auf, Jude zu sein. Der freie Jude — das wird nur durch den Sabbat gegeben, diesen Sabbat der Tradition, der nicht nur ein Tag der Ausspannung, des Vergnügens, des bloßen Haatcns ist, sondern ein Tag der Gottosruho, ein Tag der Gemeinschaft, in dor alle gleich Bind. Durch diesen Tag wird der freie Judo geschaffen. Wir sind, das soll offen ausgesprochen werden, der Orthodoxie einen Dank, der immer bestehen wird, schuldig, daß sie im 19. Jahrhundert den Sabbat gehalten und ihn dadurch b o w a h r t hat. Die Orthodoxie wiederum ist d e m~ L i'b "e talismus unvergeßlichen Dank schuldig, daß der Liberalismus im 19. Jahrhundert das Judentum vor dem Atheismus bewahrt hat. Ohne den Liberalismus wären so manche im deutschen Judentum diesem Atheismus zur Beute geworden. Und nun zum Letzten: unser Sabbat ist in unserer Zeit. Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch einen Einbruch der Natur in die Tradition und in die Geschichte und in daa Irrationale. Der natürliche Mensch, der wieder eo gesehen wird wie in Rousseaus Zeit, als der Mensch einer einstigen Vergangenheit, der natürliche Mensch, der bestehen bleiben soll, wird wieder aufgerichtet. Für den natürlichen Menschen gibt ea den Sabbat nicht. Wenn wir den Sabbat wahren, dann halten wir das fest, was über das Natürliche hinausreicht, so wie wir das festhalten, was uns über das nur Geltende hinaushebt. Heute zumal hat der Sabbat seine heilige Bedeutung, fast mehr als je. Heute können wir es ganz verstehen, was das alte Wort sagt: wenn Juden den Sabbat wahren, dann worden sie bleiben. Es gibt keinen Juden ohne Judentum, und es gibt kein Judentum ohne den Sahbat. »r. Seligsohn: Die Stunde des jüdischen Wissens Nach kurier schwerer Krankheit wurde unsere geliebte TQchter vad Schwester ' M t* r g drele von uns genommen, Die Einäscherung hat In aller Stille stattgefunden.; Von Besuchen bitter) wir frcundl. Abstand zu nehmen. ■ . '.Liebchen Cohn geb. Lery ';. , '; Met« Celm-Honäet Zuschriften nür an den Verlag der JAZ Berlin ,W 15 Nach den tiefschürfenden und die Versammlung tiefbeeindruckenden Ausführungen Dr. Leo Baecks ergriff Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohn dos Wort zu Ausführungen über die praktische .Ausgestaltung des Sabbats.' Er betonte eingangs, daß den anderen jüdischen Organisationen, wio dem C. V., dem RjF., dor Zionistischen Organisation, in' den beiden letzten Jahren - dringende Gegenwartsaufgaben gestellt wurden, denen sie sich nicht entziehen konnten, wahrend dem religiösen Liberalismus durch den Umbruch keine Aufgabe gestellt war. Die Religionsausübung sei — mit Ausnahme' des Schächtverbots — vollständig unangetastet geblieben. Heute, jedoch, da eine« gewisse Stabilisierung der Verhältnisse eingetreten sei, habe dos religiös-liberale Judentum eine bedeutsame Aufgabe zu erfüllen. Es'habe deif Menschen wieder den religiösen Sinn alles Geschehens aufzuzeigen und sie in ihrem religiösen.Zuk un f ts g I au ben zu stärken. Das sei unsere Gegenwartsaufgabe.: Eines ihrer Ziele eci die Neugewinnung des Sabbats. ■; Die Mittel zur Erziehung und geistigen Bildung des deutschen Juden seien 1. Weckung des religiösen Gefühls im liberalen Juden, ' 1 2. Weckung des jüdischen Gemeinschaftsgefühls 3. Weckung des jüdischen Wissens. .- Eines ohne dos andere sei nicht denkbar. Am schwierigsten sei die Erweckung des. religiösen Gefühls,, das nur. allmählich in der Seele keimen und wachsen könne. Ami leichtesten zu erfüllen . sei; die Neubelebün'g jüdischen Wissens, das durch geistige Schulung zu erreichen sei. Wesentlicher.als für die. Erwachsenen sei die Rückgewinnung des Sabbati für die Jugend, ein Problem, das'in den Großstädten anders liege als in don mittleren Gemeinden und in den Klein- und Kleinstgemeinden. Je nachdem müsse die Sabbatgcstaltung verschieden gehandhabt werden. Trotzdem habe sich so etwas wie ein „S lundenp 1 an"-herausgebildet. Dr. Soligsohn gab sodann eino Art Schema für. das „Jüdische Wochenende": Danach beginnt jede Sabbat-Heiligung hm Freitag abend mit dem Besuch des Gotteshauses. Wichtig sei, daß dabei eine Ansprache stattfindet, keino Predigt, sondern eine Erklärung des WochenobschnitteB. Im Anschluß an den Besuch des Tempels gehört der Freitag abend der Familie. Synagoge and Familie sind die Träger des Freitagabends. Der Gottesdienstbesuch am Sonnabend soll ohne Zwang erreicht werden. Wichtig sei nach der Stunde des Gottesdienstes die Jugendstunde, dio Stunde des jüdischen Wissens. Hier müssen dem. Kind die Zugänge zu den jüdischen Quollen erschlossen werden, hier müsse die Jugend anfangen zu „lernen". Es werde Sache der, Gemeinden Bein, die befähigtsten Kräfte auf diesem Gebiet anzusetzen. Jn dieser Stunde des jüdischen Wissens, die obligatorischer Zwang.werden müsse, solle nach Möglichkeit die jüdische Jugend zusammengefaßt werden, und zwar dio aus den weltlichen und den jüdischen Schulen. Sache der Reichsvertretung müsse ea sein, für die Slunde des jüdischen Wissens Lehrmittel bereit zu stellen, namentlich in den Kleinstgemeinden. Der Sabbat muß fcBtlich auskling e n. In einem Oneg Schabbat, bei dem Musik und Dichtung zusammenwirken sollen, um die Jugend zu vereinen. Trägei des Oneg Schabbat kOnnto am besten die Jugend selbst sein. Wie mit dem Anzünden, der Sabbatlichter der Sabbat-in der Familie begonnen werde, so müsse er mit der gemeinsamen Habdalah in größerer Gemeinschaft' ausklingeri. Der Sonntag sei dann der körperlichen Ertüchtigung zu widmen. In der Sabbatgestaltung bestehe eine große Aufgabe des deutschen Judentums. .Alles müsse herangeholt werden, was zur Erhaltung der Jugend auf deutschem Boden diene, und die Sabbatgestaltjimg sei ein Weg dazu. „Ünfere Jugend" Nach der Mittagspause.Bprach Dr. Alfred Fabian, Breslau, Über ■ „Unsere Jugend . In seinem Referat, auf das wir noch zurückkommen werden, betonte Dr. Alfred Fabian den religiösen (Zug in der Jugend, von dem heute so viel gesprochen wird. Es sei das Problem, dos religiös« Bewußtsein in' jungen Menschen überhaupt. . zu ' wecken, es handle sich um die Entscheidung zur Religion.

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