Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 372)
- Language
- German
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352 Umsonst berief sich der „verdorbene Student" Gottlieb Weißfisch darauf, und behauptete es mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit, er habe die Melodie schon irgendwo gehört, und wenn er nicht irre, so komme sie in Meyerbeers Oper: „Die Welfen und die Ghibeüinen" vor . ., er fand Lei den Leuten keinen Glauben und lein Vertrauen, die nach wie vor bei ihrem Satze blieben, es gebe nur Einen David Brod. Bei der jüngern Welt glückte es ihm freilich umsomehr; aber diese entschied nicht. Die Melodie war das Einzige, was die beiden Männer von ihrer Kunstfahrt nach Hause gebracht hatten. . . das tönende Erinnerungsdenkmal des „Karfunkels . . Kurze Zeit darauf starb, unerwartet schnell, der alte Vorbeter. Er war ohne Krankheit hinübergeschlummert. Es hatte sich seltsam gefügt, daß einige Tage vorher in der Gaffe die Nachricht verbreitet war, der Gras sei von seinen Reisen zurückgekehrt, und werde von nun an seinen beständigen Aufenthalt im Schlosse nehmen. Das Gerücht setzte hinzu, er sei ein finsterer Menschenfeind geworden, der nur die unentbehrlichsten Personen vor fich lasse . . . Am Abende vor seinem Tode berief David Brod seinen langjährigen treuen Genossen zu sich. „Wenn Du ihr einmal schreibst", sagte er schwach, „so melde ihr, daß ich sie gesegnet habe!. . Jsabella Brodini leuchtete als „Karfunkel" noch einige Jahre hindurch in wolkenlosem Glanze; dann verschwand sie plötzlich aus der Welt, die nur Bewunderung und Siegeskränze für sie hatte. Sie ist seitdem wie verschollen. Nur Feiwelmann, der Baß, der mittlerweile der Nachfolger David Brod's im Synagogenamte geworden, dürfte wissen, wo sie sich aufhält.