Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 371)
- Language
- German
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351 „Feiwelmann, wir müssen doch bei Zeiten daran denken, wie wir unsere Leute am nächsten Feiertage zu Hause mir etwas Neuem überraschen. Seit jenem verunglückten „Kadisch haben sie nichts Neues von uns gehört." „Ich wüßt' etwas," sagte der Baß nach längerer Weile darauf, „das will mir seit gestern nicht aus dem Kopfe." „Meinst Du Das?" Mit heller Stimme und nicht geringem Verständnisse sang nun David Brod die ergreifende Stelle aus dem berühmten Duette des vierten Actes der „Hugenotten," die es gestern bewirkt hatte, daß er seine Tochter erkannte. Sie hatte sich seinem Gedächtnisse ohne einen merkbaren Fehler genau eingeprägt. „Merkwürdig!" ries der Baß, „dasselbe habe ich auch gemeint." Und auch er sang die schöne Melodie ohne allen Anstand. Spät in der Nacht kamen sie wieder zu Hause an. Niemand hatte es erfahren, wo sie gewesen, noch was mit ihnen vorgegangen war; kaum, daß ihre Abwesenheit bemerkt worden war. Am ersten Neujahrstage ertönte diese Melodie zum ersten Male auf ein gar ernstes und weihevolles Gebet angepaßt, in der Synagoge. Die beiden Sänger ernteten dafür nach dem Gottesdienste ungeheueres, von allen Seiten gespendetes Lob. Man drückte ihnen die Hände, und hie und da machte sich und seiner Begeisterung so Mancher in dem Ausrufe Luft: „Es gibt doch nur Einen David Brod! Er bleibt der Alte."