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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 348

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 348 (sequence 368)
Language
German
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348 keine Kunst! Aber eine Kunst haben wir gehabt, und die will man uns jetzt auch nehmen, daß nämlich unsere Kinder an uns gehangen haben, und wir an ihnen. Die Kinder will man uns entreißen, sie sollen ihre Väter nicht mehr kennen und ihre Mütter . . . Künstler sollen sie sein! Aber kommen wird eines Tages ein Anderer, Größerer und Mächtigerer. Der wird mit der Stimme des Donners sprechen: „Was ist aus meinem Volke geworden? Was habt Ihr aus ihm gemacht? Habe ich es darum als Ausnahme hingestellt unter die Völker, daß seine Töchter hingehen und auf offenem Markte Götzendienst mit sich treiben lassen und ihrer Kunst? An dem Tage wird es sich entscheiden, wer Recht bat: Der Herr Graf oder ich." „Vater!" rief die Sängerin, mit ihren Armen seinen Hals umschlingend. „Redenichtso! Du machst mich verzweifeln". Der Alte rang sich mit sanfter Gewalt los. „Mache ich Dir denn Vorwürfe, Bella, mein Kind?' Du bist ja mein Stolz und mein Herz wird aufgehen vor Freude, wenn ich an Deine Kunst denke. Für Dich ist die neue Zeit, die immer gewaltiger herankommt, ich kann Dich nicht zurückhalten. Ich bin ja auch nur gekommen, um Dich noch einmal zu sehen. Wirst Du das einem lebenssatten alten Manne nicht zu Gute halten?" Er hatte sich zu ihr hinabgebeugt, und nun flössen seine Thranen; die furchtbare Spanuung seines Gemüthes hatte sich in Wehmuth ergossen. „Vater!" rief die Sängerin, „ich gehe mit Dir! Du sollst ohne Dein Kind nicht sterben." Er streichelte ihre Haare, er lächelte sogar. „Narrele!" sagte er mild, „was willst Du bei David Brod, dem Vorbeter thun? Willst wieder in einer Laub--

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