Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 367)
- Language
- German
- Belongs to
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347 Jahren ans meinem Hause fortgegangen ist? Ich weiß, man kann ein Wasser nicht aufwärts fließen machen, und den Mond nicht dahin stellen, wo gerade die Sonne steht. Was will also der Herr Graf von mir?" Der Alte hielt inne; seine Blicke waren von einer wahrhaft bezwingenden Gewalt geworden; seine Haltung erinnerte auch nicht entfernt an den demüthigen Vorbeter seiner stillen Gemeinde. Ein Mann stand einem Manne gegenüber. Dies fühlte auch der Graf; er rückte unruhig, die Augen jedoch, wie gebannt auf das Antlitz David's gerichtet, im Stuhle hin und her. „Ihr habt Euer Letztes Wort noch nicht gesprochen, Vorbeter!" sagte er unsicher. „Was soll mein letztes Wort fein?" rief der Vorbeter, und der Graf verstand in diesem Augenblicke den biblischen Ausdruck: „Es wehten Flammen um sein Haupt." „Sprecht Euch aus, David! es mag Euch in meinen Worten Manches verletzt haben! Ihr habt mich vielleicht gar nicht verstanden?" „Was soll ich nicht verstanden haben?" rief David Brod. „Vielleicht versteht aber der Herr Graf mich nicht, wenn ich rede." Dem Grasen fehlte jede Frage. „Nein!" rief der Alte, „ich rede lieber Nichts. Ich beuge mich ja und demüthige mich, und sage: Der Herr Graf hat Recht! Meine Zeit ist um; es bricht an die Zeit der Sängerinen und der Kunst, wie der Herr Graf sagt. Will ich das kleine Hölzchen sein, das zu einem Strome spricht: Fließe unter mir durch, denn ich bin eine mächtige Brücke, und du bist nur ein Tropfen Wassers? Nein, ich rede lieber nichts. Der Herr Graf meint, wir haben gar