Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 364)
- Language
- German
- Belongs to
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344 Weile wieder zu reden anfing, klang seine Sprache eigen-' thümlich verändert. „David Brod!" sagte er, „ich kann es errathen, was in diesem Augenblicke in Euerem Gemüthe vorgegangen ist. Ihr seht Euere Tochter nach acht Jahren zum ersten Male wieder und so liegt Euch der Vorwurf nahe, warum sie Euch im Laufe dieser Zeit allmälig fremd geworden, warum sie Euch nicht geschrieben, kurz, warum Isabel! a Vrodini eine Andere geworden ist. Vor Allem sage ich Euch, David Brod, hütet Euch vor Ungerechtigkeit! Nicht Euere Tochter, mich allein trifft die Schuld. Ich will mich mit Euch auseinder setzen, David, vielleicht versteht Ihr mich!" Der Vorbeter war wieder in seine demüthige Stellung zurück gefallen. Bei diesen Worten richtete er fich auf. „Der Herr Graf haben gut errathen," sagte er. „Nun, David, so wird es mir nicht schwer fallen, mich mit Euch zu verständigen. Ich will es Euch erleichtern, so klar als möglich zu sehen. Was war meine Absicht, als ich Euer Kind unter meinen Schutz nahm? als ich zu Euch sagte, in der Stimme dieses vierzehnjährigen Mädchens schlummere eine Macht, in ihrer Tiefe leuchte ein Karfunkel, der nur hervorgeholt und zum Glanz gebracht werden müsse." „Der Herr Graf wollten sie zur Kunst erziehen!" sagte David Brod fast unvernehmbar „Zur Kunst! ja zur Kunst!" rief der Graf lebhaft,, „das ist der rechte Ausdruck! Aber ist mein Haus schon gebaut, steht es bereits da, allen Augen sichtbar, wenn ich sage: Ich will es!? Da muß zuerst der Grund gegraben, alte Bäume müssen gefällt und mit ihren Wurzeln ausgerodet, Trümmer und Schutt müssen weggeräumt werden. Sagt nun selbst! Ist ein Mensch, der zur Kunst erzogen