Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 363)
- Language
- German
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343 fernen Marktbuden? Gehen Euere Leute am Neujahrstage Noch immer an den Fluß spazieren, und werfen aus ihren Taschen die Brosamen in das Wasser, was, soviel ich mir sagen ließ, die Selbstabsolution Euerer Sünden deuten soll? Und dann, lebt der alte Schulklopfer noch, der mit seinem schrecklichen Hammer bis hinauf in das Schloß Alles aus dem Schlafe allarmirte?" „Graf!" flüsterte die Sängerin leise. Ihre Hände hatte sie wie flehend gefaltet. Dennoch beachtete er oder schien nicht diese Bitte zu beachten. Sie begehrte Schonung sür den alten Mann; er aber war überaus lustig in seinem -Herzen und demgemäß auch in seiner Sprache. „Ihr seid gewiß gekommen, David," fuhr der Gras, der sich mit nachlässiger Geberde in einen Stuhl geworfen hatte, fort, „um Euch an den Triumphen Euerer Tochter zu weiden. Ihr seid doch auch so eine Art Künstler, wenn auch nicht nach meinem Sinne oder gar meiner Anschauung. Und so könnt' ihr schon beurtheilen, ob aus der kleinen Bella, die nichts wußte, als ihre Synagogenmelodien, im Laufe der Jahre etwas geworden ist, oder nicht. Was sagt Ihr zu ihrer Valentine? Ist das nicht eine Schöpfung, sowohl was den dramatischen als den gesanglichen Theil betrifft. in der es Jsabella Brodini mit jeder anderen Sängerin kühn aufnehmen kann?" „Jsabella Brodini ist eine große Künstlerin geworden!" rief der Alte, aus seiner bis dahin gekrümmten Stellung sich aufrichtend. Der Graf blickte auf. Es lag in diesen Worten und in der Geberde des Vorbeters Etwas, was seine Lustigkeit bändigte. Er war ernster geworden, und als er nach einer