Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 347)
- Language
- German
- Belongs to
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327 „Ins Theater?" rief der alte Mann wie traumververloren. „Was soll ich im Theater thun?" „Du sollst sie singen hören, David Brod", sagte der Baß säst unerhörbar. „Warum gehen wir nicht gleich zu ihr?" „Du kannst sie heute nur im Theater sehen." Der alte Mann schüttelte den Kops; eine traurige Unterwürfigkeit zeigte sich in seinen Mienen. „Du hast mich in, Deiner Gewalt, Feiwelmann", sagte er still, „thue mit mir, was Du willst." — Als die Zeit gekommen war, führte der Baß durch das ihm nun bekannt gewordene Gassengewimmel den Vater Betla's, der ihm willenlos zu folgen schien. „Ist das die goldene Gasse?" fragte David Brod, als sie durch ein schmutzig feuchtes Gäßchen kamen, dessen Häuser wie Kartenblätter fast auf einander zu liegen schienen. „Warum fragst Du das?" „Vielleicht könnten wir den alten Mann zu sehen bekommen, der meiner Bella ein Gebetbuch geschenkt hat . . „Jetzt denlst/Du daran? Das sind acht Jahre seitdem, der alte Mann wird todt sein!" „Todt! Alles ist todt." sagte der Vorbeter in leise klagendem Tone, „mir ist's, als wäre es gestern vor sich gegangen." — Je weiter der Baß mit seinem Herrn und Meister kam, desto größer ward seine Bangigkeit, ja ein unheimheimliches Gefühl überrieselte ihn mit kalten Schauern, wenn er den alten Mann neben sich einherschreiten sah, so willenlos und unterwürfig, so wenig erregt von der Erwartung auf das Kommende! Was war mit David Brod geschehen? War in ihm in der That alle Lebensfreudigkeit