Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 310)
- Language
- German
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290 vergoldete Nüsse und Aepsel gaben Zeugniß davon, daß sich irgend Jemand bemüht hatte, der Hütte einen traulicheren Character zu verleihen. Hatten die Bauern altes, welkes Tannenreisig gebracht, daß nicht einmal Feiwelmann der Baß von dessen Duste sprach? „Denkst Du noch, Feiwelmann", sagte David Brod, nachdem er die Segensformel über den Wein und das weiße Brod gesprochen hatte, „wie sie heute ein Jahr in den Garten des Grafen um Blumen gelaufen ist? Gott der Lebendige weiß, wie ihr der Gedanke gekommen war. Was Hab' ich nun davon, daß damals unsere Laubhütte schöner war, als irgend eine in der ganzen Gasse? Jetzt fehlt mir das Kind — das Hab' ich davon!" „Kuriose Gedanken an einem Feiertag-Abend. David Brod!" grollte der Baß. „Sie fehlt mir, Feiwelmann", sagte der Vorbeter, „und wo ist sie heute? Sitzt sie heute in einer Laubhütte? Und wenn Du mir heute Speisen von der Tafel eines Königs vorsetzest, ich werde sie nicht anrühren, denn mein Herz ist mir schwer." „David Brod", sagte der Baß mit mühsam erzwungenem Lachen, „wenn man Dich so reden hört, so möchte man schier glauben, Du hast Dein Kind verkauft und nun irrt es auf der Straße umher und sucht seinen Vater?" „Feiwelmann", rief der Vorbeter. „Du hast das rechte Wort gesprochen. Ist mir denn anders zu Muth, als wäre sie verkauft? Wenn meine gute Channe, mit der der Friede sei, noch am Leben gewesen wäre, sie hätte es nicht zugegeben, denn eine Mutter läßt ihr Kind, was sie geboren und mit ihrem Blute genährt, nicht so leicht von sich fort. Aber ich, der Bater, bin so ein leichtsinniger Mensch gewesen. All ihr