Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 294)
- Language
- German
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274 Feiwelmann starrte eine geraume Zeit in die Luft. „Was Kunst heißt? Sie soll eine Sängerin werden wegen ihrer schönen Stimme." „Und wenn sie eine Sängerin geworden ist — was dann?" fragte David Brod mit gerunzelter Stirne. „Dann wird sie auf einem Theater vor Tausenden von Menschen singen!" sagte der Baß, gleichsam an einen Dritten gerichtet. „Eine Komödiantin soll mein Kind werden?" schrie David Brod wild auf, „mein jüdisches Kind eine Komödiantin! David Brod's Tochter auf einem Theater!" Feiwelmann. der Baß, mochte die Gemüthsart seines Herrn und Meisters aus langer Erfahrung kennen. Er ließ den Sturm, der dessen Gemüth so urplötzlich erfaßt hatte, vorüberbrausen; erst als er merkte, daß er ruhiger geworden, sagte er mit jenem träumerischen Gesichtsausdrucke, den wir an ihm kennen gelernt haben, als er auf das Dach der Laubhütte das grüne Tannenreisig legte: „Ich werde Dir etwas sagen, David Brod: es kommt eigentlich gar nicht darauf an, an welchem Orte man seine Kunst den Menschen zeigt. Wenn die Menschen nur sagen: Sie kommt von Gott!" „Ich verstehe Dich nicht, Feiwelmann!' „Bst Du und ich nicht auch ein Künstler? Du, David Brod, und ich, Feiwelmann der Baß? Haben wir nicht auch etwas erlernt, was Andere nicht können? Und wenn wir unsere Kunst zeigen, sagen da nicht die Leute: David Brod ist groß in seinem Fache, und auch sein Baß Feiwelmann ist nicht zu verachten?" „Wie kommt da Eines zum Andern?" rief David Brod, in dessen Gemüth die Wogen der Erregung noch im-