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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 259

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 259 (sequence 279)
Language
German
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259 hörtes an David Brod käuflich überlassen hatte? Umsonst wäre hier Nachforschen und Untersuchung. Auch jener „Schnorrer" hatte sie irgendwo in dem fernen Polen überkommen, und war damit weiter gezogen, wohin ihn der Sturm seines Lebens trug. Wen konnte es verwundern, wenn er dieselbe Melodie, die er Jahre zuvor irgendwo in Mähren oder Böhmen vernommen, mit einem Male in der Synagoge einer elsäßischen Gemeinde wieder zu Gehör bekam? Wenn auf dürrem Felsgestein oft eine ungekannte Blume ihre Augen aufschlägt, dann hat es der Sturm bewirkt, der das zarte Samenkorn in seine Arme nahm, und es hierhin und dorthin getragen hat, wohin es ihm eben beliebte. Das ist auch das Geheimniß von dem Entstehen und Fortleben dieser Melodien. Der neue Gesang war nicht ohne Schwierigkeiten; die Sänger hatten kein Notenblatt vor sich und mußten dem Gedächtnisse vollauf vertrauen. Hie und da hatte David Brod einen gesungenen Schnörkel angebracht, mit dem sich Feiwelmann, der Baß. nicht einverstanden erklärte, da er der ursprünglichen Melodie gefehlt hatte. Aber nachdem sie die neue Weise schon Wochen vorher durchprobirt hatten. kam sie heute glücklich und woh behalten, wie ein blanker Guß aus den Kehlen der Singenden. Bella vertrat dabei die Stelle des „Fistels"; ihre Stimme schmiegte sich weich und milde an den Gesang ihres Vaters und des „Baß", der gerade heute mit einem Aufwande aller seiner. Gesangsmittel leuchtete, wie er es wahrscheinlich an sich selbst noch nicht gekannt haben mochte. Wie mit seiner Kraft spielend, warf er ohne merkliche Anstrengung die vollsten Töne seiner Kehle in den Gesang; und wenn Bella's Stimme lieblich und zart, wie ein Bach in hundert versch.ien*

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