Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 278)
- Language
- German
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258 „Wie war' es, Baß, wenn wir jetzt den neuen , disch" (eines der beim Gottesdienste vorkommenden Gebete) Prokuren möchten? Wenn wir Ehre damit einlegen wollen, so müssen unsere Kehlen geübt sei. als wären wir Vögel im Walde." „Als wären wir Vögel im Walde." wiederholte der Baß mit einem träumerischen Ausdrucke seines Antlitzes. „Ja, fingen wir, Vater." ries mit einem Male das Kind des Vorbeters, ,.ich werde zuhalten (miteinstimmen)/' „Gott der Lebendige sei gelobt, daß er Bella wieder die Sprache gegeben hat," meinte der Baß. „Ich heiß' nicht Bella" schrie das Kind mit finsterer Stirne, „ich will nicht so heißen." „Wie denn soll ich Dich nennen?" fragte der Baß. „Ich glaube doch, das ist dein ehrlicher Name, Bella? „Heiß' mich meinetwegen Karfunkel," rief das Kind mit trotzig aufgeworfenen Lippen, „nur nicht Bella, denn ich bin nicht schön!" „Was muß über das Kind geflogen sein?" sprach David Brod, der Vorbeter, halblaut vor sich hin. Daraus begannen sie die Probe des Gesanges zu dem neuen „Kadisch," der morgen am ersten Tage des Laubhüttenfestes die ganze Gemeinde in Erstaunen versetzen sollte. David Brod versprach sich nämlich einen ungeheueren Erfolg von der j neuen Melodie; er hatte sie von einem durchreisenden pol- [; nischen Bettler erlernt und ihm als Entgelt» dafür nicht | weniger als vier und zwanzig Kreuzer ausbezahlt. Wer ß war der Meister dieser Synagogenmelodie, die nun mitten | in einer stillabgelegenen „Gasse" Böhmens zu Herzen und | Gemüth einer Gemeinde sprechen sollte? Wer hatte die Weise erfunden, die der polnische Bettler als etwas noch nie Ge-