Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 273)
- Language
- German
- Belongs to
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253 dem Alten in der Mitte vorstellen?" fragte sie sich leise und sinnend lagen eine Weile lang ihre Augen auf der steinernen Gruppe in der Mitte des Weihers. Plötzlich ward sie durch ein Geräusch aufgeschreckt, das von einer im dunkeln Baumgang zu Boden gefallenen Frucht herzurühren schien. Sie blickte auf. Da stand ein schwarz gekleideter Mann, der ein Buch in den Händen hielt, vor ihr. Auch jetzt kam kein Bangen und Fürchten über die mnthige Seele des Kindes, trotzdem Bella keinen Augenblick in Unsicherheit darüber war, wen sie vor sich hatte. Es war der Graf selbst. „Was willst Du hier?" fragte er mit tonloser Stimme, die Augen fest auf das Antlitz des Kmdes gerichtet. „Ich brauche Blumen für unsere Laubhütte", meinte Bella und stockte. „Und die kommst Du aus meinem Garten zu holen?" ries der Graf und ein sanftes Lächeln hellte die ernsten Züge auf. „Für was hältst Du mich denn?" „Für einen Grasen!" sagte Bella. „Also, weil ich ein Graf bin, muß ich Dir erlauben, Blumen aus meinem Garten für Deine Laubhütte zu Holen?" Bella nickte fast unmerklich mit dem Kopfe. Dann meinte sie: „Kann ich etwas dafür, wenn mein Vater keinen Garten hat?" Der Graf faßte das Kind aus der Gasse schärfer in's Auge. War es die eigenthümliche Weise, wie sie eine schuldige Antwort in eine Frage verkehrte, war es der flammende Ausdruck ihrer Augen, der über ihr sonst unschönes Antlitz eine so merkwürdige Beleuchtung warf? Es währte eine geraume Weile, bis er wieder fragte: „Wer sind denn Deine Eltern, Kind?"