Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 271)
- Language
- German
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251 Bella war aus dem Bereiche der Laubhütte entschwunden, noch ehe ein einziges Wort ihres Vaters sie zum Gehorsam bannen konnte. „Baß! was sagst Du zu dem Kinde?" meinte David Brod, indem er seinem Genossen eine volle Last Tannenreisige zureichte. Mit einer Art wilder Heftigkeit, die jeden Andern, nur nicht David Brod erschreckt hätte, der die Empfindungsweise seines Sangbegleiters schon hinreichend kannte, hatte dieser die ihm entgegengereichten Reisigbündel ergriffen und auf das Dach der Laubhütte geworfen. „Er fragt mich, was ich zu dem Kinde meine?" ries er. „Und früher, wie das Kind gesungen hat, hat er mich wieder gefragt, warum sie so und nicht anders gesungen hat, warum sie nicht so singt, wie sie es von David Brod und seinem Baß hört. David Brod! siehst Du denn nicht ein, daß Dw Gott ein merkwürdiges Kind bescheert hat?" — Folgen wir dem Mädchen. Gleich hinter der „Gasse" da, wo ihre letzten Häuser stehen, nur durch einen kleinen Bach getrennt erhebt sich, von einem weitläufigen Garten umgeben, das Schloß des Grafen. Es ging wie eine finstere Sage in der Gasse umher, daß der jetzige Bewohner des Schlosses ein menschenscheuer, düsterer Mann sei, den in seiner Jugend ein großes Unglück getroffen habe. Auf einer seiner „Herrschaften", die er tief im Böhmertande besaß, habe er die Tochter eines seiner Randare geliebt gehabt, die er zur Gräfin habe erheben wollen. Die Sage hatte sogar den Namen der schönen Randarstochter ausbewahrt, sie hieß Genenda. Die gräflichen Eltern aber, als sie den Willen ihres Sohnes erfahren, hatten sich nach Wien zum Kaiser begeben, und es da durchgesetzt, daß der junge Graf in ein fernes Zand, man sagt, weit über das Weltmeer