Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 236)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-2609302--5867-2613219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
216 Aus Palästina ist nicht viel Erfreuliches zu melden. Von Seite der Bevölkerung geschieht sehr wenig, um sich aus den Zuständen der Bettelhaftigkeit und Verkommenheit herauszureißen und eine bessere Generation heranznziehen. Selbst Alles, was von außen hereingetragen wird, erwirbt sich nur nach vielen Kämpfen den verdienten Anklang. So ist denn endlich nach einem uns vorliegenden Bericht des österreichischen Consuls Lenk die von 'der edlen Frau Elise Herz, geb. von Lämel in Wien, zu Jerusalem gestiftete Schicke bei gutem Fortgang und Einführung der italienischeil Sprache dahin gelangt, auch die Sephardim heranzuziehen - die Askenasim hingegen benützten sie nicht. Diese wollen eine eigene Schule für 20.000 Thaler gründen; die Kosten sollen.durch eine Lotterie gedeckt werden, wobei natürlich auf den', europäischen Absatz der Lose zumeist gerechnet wird. In der jüdischen Gemeinde zu Bamberg hat sich ein Comits gebildet, welches sich zur Aufgabe macht, jüdische palästinensische Jünglinge im Alter von 13—18 Jahren in Europa jedes beliebige Handwerk, Agricultur, Wissenschaft und jeden Jndustriezweig auf seine Kosten nach Kräften ausbilden zu lassen. Dieses Comito hat ein Circular in hebräischer Sprache allsgesendet. Es verspricht darin die Reisekosten für die Lehrlinge hin und her zu bestreiten, und sie während ihrer Lehr- und Stlldierzeit gut pflegen und nach streng jüdischem Ritus erziehen zll lassen. So sehr wir diesem Vorhaben Rechnung tragen und ihm guten Erfolg wünschen, so scheint es uns doch vor Allem gerathen, sich der Aufnahme in Palästina selbst zu versichern. Die Zahl der sich Meldenden wird hierüber den besten Maßstab geben, uub hiernach wird auch der Plan auf größere oder geringere Unterstützung rechnen können. Albert Kohn rüstet sich zu einer neuen Reise nach Palästina.