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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 215

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 215 (sequence 235)
Language
German
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215 werden, auch darf Niemand ungerechter Weise einer Unannehmlichkeit unterworfen werden. Die Behörden find nicht befugt, einem von ihnen an Person und Eigenthum nahe zu treten. Weder ein Kaufmann noch ein Handwerker von ihnen darf zu einer Arbeit gezwungen werden. Denn eine Ungerechtigkeit hier ist eine Ungerechtigkeit im Himmel, nab wir können nicht dulden, daß eine solche verübt werde, die nur unsere eigene Würde verletzen muß. Alle Personen in unserem Reiche haben den gleichen Rang vor dem Gesetze, und wenn Jemand eine Ungerechtigkeit gegen einen Juden begeht, so wollen wir mit Gottes Hilfe ihn bestrafen. Diesen Befehl haben wir gegeben, und machen wir gu wissen, und soll er den Völkern mitgetheilt werden, damit er genau befolgt werde, und soll diese Urkunde gur Warnung und den Juden zum Schutze dienen, daß sie nie mehr der Unbill ansgesetzt und für alle Zukunft in Sicherheit seien. Dieses Decret, beschlossen in Gott, wird verbreitet am 26. des Monates Shabau des Jahres 1280 (5. Februar 1864) Friede! Allerdings wird es noch eine geraume Zeit dauern, bis solche Grundsätze in einem Lande, wo Grausamkeit und Ungerechtigkeit bisher gewaltet haben und in religiösem Fanatismus wurzeln, durchdringen werden, und es sind sogar neuestens Besorgnisse rege geworden, daß die gemachten Concessionen zu neuen fanatischen Ausbrüchen führen könnten. In Tunis fand eine Revolution statt, in Folge welcher auch der Finanzminister Kaid Nissim — Jsraelite — sich zu flüchten Veranlassung fand. Er hatte durch 30 Jahre ein Vermögen erspart, das man auf 60 Mill. Francs schätzte, und war weit und breit wegen seiner Wohlthätigkeit verehrt. Täglich wurden 300 Arme auf seine Kosten gespeist.

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