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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 198

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 198 (sequence 218)
Language
German
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IRI
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198 Herr Franck, Vicepräsident Des israelitischen Centralconsistoriums, bemerkte hierzu, daß die Menschenliebe schon mehr als zwöls Jahrhunderte, ehe sie eine christliche Tugend wurde, eine israelitische Tugend gewesen ist, daß das alte Testament die Vorschriften enthält: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, — liebe den Fremdling wie dich selbst, — führe deinem Feinde sein verirrtes Rind zurück u. s. w.", und daß diese erhabenen Vorschriften nicht niedriger stehen, als der evangelische Grundsatz: „Liebet euch unter einander." Die Bemerkungen wurden mit dem größten Wohlwollen ausgenommen, besonders von dem Erzbischof von Paris. Dieser ehrwürdige Prälat schlug aus freien Stücken eine Umänderung vor, die, indem sie das Wort „christlich" ausstreicht, die Menschenliebe als den Grundsatz der Religion und der Civilisation im allgemeinen hinstellt. In diesem selben Programme, das wenn wir gut unterrichtet sind, fast einstimmig angenommen wurde, sieht man die Gewissensfreiheit, das Recht, Gott nach seinem Glauben zu dienen, als ein Fundamentalrecht figuriren, dessen Ausübung die Gesellschaft allen ihren Gliedern garantiren soll. Wenn man bedenkt, daß der kaiserliche Unterrichtsrath fünf Bischöfe oder Erzbischöfe in seiner Mitte hat, ist es unmöglich, sich zu verhehlen, daß das Prinzip der religiösen Freiheit einen bedeutenden Fortschritt gemacht hat, daß es aus den Gesetzen in die Verwaltung und in die Sitten ubergegangen ist. Schon in der vorhergehenden Sitzung hatte man bemerkt, daß der Erzbischof von Paris und unser Glaubensgenosse Herr Franck vereint mit gleichem Eifer die Sache der Philosophie gegen die vertheidigten, welche sie aus dem öffentlichen Unterrichte verbannen wollten. Dieser Zug einer liberalen Gesinnung gegen die Jsraelüen recht sich schon früheren vom hohen französischen Clerus

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