Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 209)
- Language
- German
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189 Leistungen zu diätarischer Besoldung vollkommen berechtigt waren, durchgängig übergangen. Eine Anstellung des Dr. Strauß als Stadtphysicus in Berlin, wird erst als dritter Fall dieser Art bezeichnet. Das preußische Kultusministerium findet sogar die Habilitirung eines Juden als Docent „nicht passend," Man kann hieraus auf die Verdienstlichkeit derjenigen schließen, welche es dennoch dahin gebracht haben, als Juden an preußischen Universitäten zu Professoren und Docenten ernannt zu werden. Dennoch find allein an der Universität zu Berlin vier Professoren jüdischer Confession angesteüt, Traube, Jaffe, Steinthal, Pringsheim, welcher letztere erst kürzlich zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät ernannt wurde, jedoch nach Jena übersiedelte, während die Universität zu Königsberg, auf Stistungsurkünden gestützt, sowohl Katholiken als Juden von der Habilitirung ausschließt. Als bemerkenswerth wird hervorgehoben, daß die Berliner Universität einen Juden zum Doctor der Rechte promovirt hat, und ein Kreisgericht izu Bergen aus Rügen) erklärte den Eid eines Juden gegen einen Christen als suspect, entgegen der Verfassung, welche im §. 7 zwischen den eidlichen Zeugnissen der Juden und anderer Unerthanen jeden Unterschied aufhebt. Die öffentliche Meinung läßt sich aber durch solche Vorgänge nicht beirren, wie sich das am deutlichsten bei den Wahlen in das Abgeordnetenhaus, so wie in den Gemeinderath verschiedener Städte ergab. Selbst Uebertritte zum Judenthume kommen in Preußen, woselbst das Gesetz solche gestattet, von Jahr zu Jahr vor, und war in diesem Jahre ein solcher Fall bei einem 27jährigen Maler besonders merkwürdig, weil hier nur die Hinneigung zum Judenthume als Antrieb wirkte.