Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 111)
- Language
- German
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91 Im Jahre 1845 wurde beschlossen, die privilegirten Druckereien in den beiden Städten mit einem bedeutenden Pachtschilling zu belegen, weicher freilichder ursprünglichen Intention nach, zu jüdischen Schulzwecken verwendet werden sollte. Vom Auslande durften nur „wissenschaftliche" Werke ohne die enorme Einfuhrtaxe, welche einem gänzlichen Verbote gleichkam. die Grenze paffiren, um dann erst die schwere Zensurprobe zu bestehen, welche die inländischen Produkte derart verstümmelte, daß sie förmlich perhorreszirt, und große Opfer gebracht wurden, um sich Bücher vom Auslande zu verschaffen. Wir erhalten ein genaues Bild von der Thätigkeit der hebräischen Officin Wilna's, welche vor 5 Jahren 18 Handpressen, 105 Setzer u. s. w., 3 Gußöfen 2 Guß»' Maschinen und 20 Schriftgießer beschäftigte, durch ein Verzeichniß der, während eines Jahrzehents (1847—57) aus ihr hervorgegangenen Druckwerke, welches Benjakob den offiziellen Listen der Zensur entnahm und in der „Hebräischen Bibliographie" (1861/2) mittheilte. In 11 Jahren sind nicht mehr als 460 Nummern erschienen, worunter Gebet^ bücher, Kalender u. dgl. ziemlich stark vertreten sind. Unbegreiflich wäre aber die äußerst geringe Zahl der einigermaßen selbstständigen Schriften, oder auch nur neuen Ausgaben klassischer Schriften außer dem Talmud und seinen stereotypen Begleitern, die ihm selbst atlmalig einverleibt wurden (zugleich im Separatabzuge verkäuflich), wenn man nicht wüßte, daß die zugleich ungerechte und unpolitische Beschränkung, wie jede solche, Geist und Geld über die Grenze trieb, und der Ungesetzlichkeit die Glorie des Märtyrerlhums verlieh. Der berüchtigte Schmuggel, welcher an der Grenze Rußlands größtenteils von den Grenz- Wächtern selbst betrieben wird, erhielt einen weitern Spiel-