Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 102)
- Language
- German
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82 da, gekleidet in Gottes Glanz. Ein Kranz von allen Farben umfloß ihr Haupt: die Erde jauchzte, ihr dufteten die Kräuter, die Blumen schmückten sich. — Neidend stand das andere Licht und sah, daß es die Herrliche nicht zu überglänzen vermochte, „Was sollen", sprach sie murrend bei sich selbst, „zwei Fürstell auf einem Thron? Warum muß ich die zweite und nicht die erste sein?" Und plötzlich verschwand, vom imlern Gram verjagt, ihr schönes Licht hinweg. Hinweg von ihr floß es weit in die Luft und ward das Heer der Sterne. Wie eine Todte bleich, stand Luna da, beschämt vor allen Himmlischen und weinte: „Erbarme dich, Vater der Wesen, erbarme dich!" Und Gottes Engel stand vor der Finstern da; er sprach zu ihr des heiligen Schicksals Wort: „Weil du das Licht der Sonne beneidet hast, Unglückliche, so wirst du künftig nur von ihrem Lichte glänzen, und wenn dort jene Erde vor dich tritt, so stehst du halb oder ganz verfinstert da, wie jetzt." „Und doch, Kind des Jrrthums, weine nicht. Der Erbarmende hat dir deinen Fehl verziehen und ihn in Wohl verwandelt. „„Geh, sprach er, sprich der Reuenden tröstend zu: auch sie in ihrem Glanze sei Königin. Die Thränen ihrer Reue werden ein Balsam sein, der alles Lechzende erquickt, der das vom Sonnenstrahl Ermattete mit neuer Kraft belebt."" Getröstet wandte sich Lllna, und siehe, da umfloß sie jener Glanz, in welchem sie jetzt noch glänzt; sie trat ihn an, den stillen Gang, den sie jetzt noch geht, die Königin der Nacht, die Führerin der Sterne. Beweinend ihre Schuld, mitleidend jede Thräne, sucht sie, wen sie erquicke; sie siehet, wen sie tröste.