Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 91)
- Language
- German
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71 Rom die Geißel über Judäa schwang, der Perser Verfolgung über Verfolgung verhängte, oder Byzanz Hetzjagd gegen die Juden hielt, so werden wir staunend auf den Stamm-blicken, der edel genug war, seine Lippen dem Fluch zu verschließen, denen der Feind Seufzer und Weherus erpreßte, um in Demuth und Ergebung jene Seelengröße zu bewähren, die die Gedrückten über ihre bösen Peiniger erhob. Wir wenden uns nun zu den. einzelnen Verhältnissen und Beziehungen des Lebens und der Gesellschaftum'.zu sehen, wie sich hier die volksmäßigen Ansichten der talmudischen Welt aussprachen. Wohin anders sollten wir in diesem weiten Kreise zuerst unfern Blick werfen, als auf den ersten Grund der menschlichen Gesellschaft, auf Liebe, Ehe und Familie. Leider sind nur wenige Worte über die erste uns erhalten, aber doch genug, um auch hier uns erkennen zu lassen, wie das Judenthum in der alten Zeit den sogenannten classischen Völkern in der richtigen Würdigung dieses zarten, edlen Verhältnisses voraus war. Denn wenn Philologen von Fach dem römischen Amor und der griechischen Eros Innigkeit und Gemüthlichkeit absprcchen, und sie am wenigsten verwandt anerkennen mit den modernen zarten oder gar romantischen Empfindungen, wie ja das griechische Sprichwort: „Der Liebenden Meineid bleibt ungestraft" eines der häufigst gebrauchten ist, während der hausbackene Römer sich dahin ausspricht: „8ine Oerere 6t Bacchio friget Venus“ „Ohne Ceres und Bacchus friert Venus", so stimmt es ganz mit dem Geiste, der sich im Lied der Lieder Ausdruck gegeben, durch das Wort: eine Gottesflamme ist die Liebe, wenn wir hier den Spruch vernehmen 2) „Wo stark die Liebe ist, da lagert sie gefahrlos aus des Schwertes Schneide", da trägt sie die von ihr Ergriffenen