Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 51)
- Language
- German
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31 weisen dringend darauf hin, daß es sich ursprünglich so ziemlich entgegengesetzt verhalten habe, wenn auch keine Zeit gegen den Besitz vollkommen gleichgültig geblieben ist. Die Armuth ist Regel in den menschlichen Dingen, der Reichthum von Haus aus nur die Ausnahme. - Ohne von der Hülfslofigkeit reden zu wollen, die den Menschen schon bei der Geburt und noch für lange Zeit spater auf die Mildthätigkeit und Hülse Anderer hinweifl, die ihm selbst das Gewand vorenthält, das eine gütige Natur niederer Wehen in bereitwilliger Weise mit auf die Lebensreise gibt, ist, wie ein Blick auf die ersten Blätter der Bibel zeigt, das erste Menschenpaar, trotz dem Reichthum der umgebenden Natur, arm, hülflos, auf die Güte Gottes angewiesen und erhält in bezeichnender Weise bei seinem Scheiden aus dem Paradiese nicht ein gewisses Vermögen zur luxuriösen Einrichtung oder die Zusicherung einer lebenslänglichen Rente, sondern die einfache Aufgabe, sich im Schweiße seines Angesichtes nähren zu müssen. So ist bei den Griechen der Reichthum viel jünger als die Armuth, seine verstoßene Stiefschwester, und Letztere, die Peseua oder Tochter der Metis, des Verstandes und des Eros, der Liebe, wird als die Erfinderin der Künste und Wissenschaften gefeiert und gepriesen. Und so ist auch bis zum heutigen Tage die Armuth der eigentliche Sauerteig, der den trägen Lebensstoff menschlicher Verhältnisse ausrührt, in Gährung bringt und zersetzt, dadurch aber auch vor der verderblichen Stagnation und Verdumpfung bewahrt, in der sonst jede frische Regung verkümmern und eine gedeihliche Fortentwicklung unmöglich werden müßte; mit anderen Worten: die Armuth ist die Mutter der Künste und Wissenschaften. Die Erfinderin des Handels und der Gewerbe,