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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 2

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 2 (sequence 22)
Language
German
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staatlichen Organismus im Gang erhält, ihm Anregung. Rührigkeit und Spannkraft verleiht Schwindet dieses Fluidum. so tritt Rost und Stillstand ein, und die vollständige Zersetzung läßt nicht lange aus sich warten. Dagegen bleibt em Volkskreis, "der irgend eine, wenn auch noch so schwererreichbare. scheinbar chimärische Hoffnung mit aller Energie hegt und den Blick stets daraus gerichtet hat, in ewiger Jugend, wenn es ihm auch nicht gelingt, das Ziel seiner ihn ganz erfüllenden Wünsche zu erreichen. So angeboren ist dem Menschen das Stieben, d. h. das stete Hoffen auf einen besseren Zustand, daß er sich wohl eine stetig fortschreitende Vervollkommnung, aber keineswegs die ab' solute Vollkommenheit, das Erreichthaben des höchsten Zieles vorzustellen vermag. Die Messiasidee. d. h. die stete Hoffnung auf eine bessere, schönere Zeit, ist das Lebenselixir, welches dem jüdischen Volksstammt eine so wunderbare Zähigkeit verliehen hat. Wann ist die Meffiashoffuung oder der Messiasgedanke im Judenthum zuerst aufgetaucht? Gew ß nicht später als die Grundschrist des Judenthums,- die Thora, der Pentateuch. Die älteste sinairische Gesetzgebungsschrift stellt schon dem jüdischen Stamme Unglück. Elend und Verbannung in fremde Länder in Aussicht. In der Leidensschnle geboren, wurden ihm schon an der Wiege Leiden in Fülle als Läuterung von den ihm anhaftenden Schlacken vorgesungen. Aber als Ende der Leiden wurde ihm eine frohe Zukunft verheißen; „Wenn sie auch im Lande ihrer Feinde sein werden, verachte und verwerfe ich sie nicht, sie auszureiben und meinen Bund mit ihnen anfzulösen, denn ich bin ihr Gott, ich werde vielmehr stets des Bündnisses mit den Vorfahren eingedenk sein, um ihnen schützen-

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