Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 292)
- Language
- German
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268 - kommen bist, mich zu fragen, was mit Josels Kinde zu geschehen habe, da war ich schon aus alles vorbereitet; denn wenn Einen die Sünde schon gefaßt, dann ist man, als wären in der Seele hundert Lichter angezündet worden, wo früher nur eines gebrannt hat. Im Voraus habe ich jedes meiner Worte und mein Benehmen gegen dich zurecht gelegt, wie ein Kaufmann, der seine schlechte Maare an den Kunden bringen will. So habe ich gelogen und betrogen geheuchelt und falsche Thronen vergossen, und habe doch im Innersten meines Lebens die Ueberzeugung gehabt, daß mich dein - Aug' durchsieht. Um dich und die Welt irre zu führen, habe j ich mich Jahre lang als ein armer Mann gestellt. Jahre; lang habe ich meine Ungeduld hingehalten, und habe die j Betstätte der guten Mutter nicht gekauft, und doch war merkwürdiger Weise ein Segen in all meinem Thun und Gebaren, als wäre nicht das geschehen was geschehen war. . „Du bist fertig. Zender," sagte Chaje, während er für! eine Weile inne hielt. „Fertig? Daß Gott erbarm! wie ich fertig bin!" stöhnte Zender. Da stand die alte Annehmerin auf, hoch aufgerichteten Leibes schritt sie zur Thür hin und schob den Riegel daran j zurück. „Wohin willst du. Chaje?" schrie Zender mit dem Aufgebote seiner Kräfte; er versuchte sich zu erheben, aber er sank erschöpft in den Stuhl zurück. „Ich will das Kind rufen —" „Welches Kind?" „Deines Bruder Kind." „Ich kann ihr nicht ins Auge sehen. Chaje", schrie Zender.