Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1864-01-01 · Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864) · p. Seite 266

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 266 (sequence 290)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2609281-2609300--5591-2612942
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

266 „aus meinem Stolz ist Alles gekommen, der hat mich zu dem gemacht, was du in mir siehst." Dann brach er wieder in lautes Schluchzen aus, und erzählte hierauf in abgebrochenen, von Schmerzensrnfen durchzitterten Worten: „Du weißt, Chaje, mein und Josels Vater ist einmal ein reicher Mann gewesen; wie er aber gestorben, da war nicht so viel übrig, daß wir die Mutter hätten ernähren können. Da haben wir Alles verkauft, was uns noch aus der guten Zeit geblieben war. das Haus und die Betstätte der Mutter droben in der Weiberschul. Besonderst daß wir die Betstätte haben verkaufen müssen, das hat uns Bruder schwer gekränkt, denn sie hat uns an den einmaligen Glanz unserer Familie erinnert, wie unsere Mutter noch vorn am Gitter in der Weiberschul unter den reichen Frauen gesessen ist, und jetzt war ihr Standplatz ganz unten an der Thüre neben dem Weibe des Schuldieners und neben den Schnorrers Frauen, die man aus Mitleid über Sabbat beherbergte. Das hat uns Brüdern das Herz abgedrückt, und der Mutter auch. Sie ist aus lauter Kräniung darüber gestorben, wir haben sortleben müssen." Nach einer Weile fuhr er fort: „Seitdem ist mein und Josels Sinnen und Trachten auf nichts anders gerichtet gewesen, als wie wir die Betstätte unserer guten Mutter wieder an uns bringen könnten. Und es muß etwas Gutes gewesen sein an diesem Sinnen und Trachten, denn das Glück hat sich uns Brüdern wieder zugewendet und es war Segen in dem, was wir unternommen haben. Die Leute in der „Gasse" haben nichts davozr bemerkt, denn erst wenn es uns geglückt wäre, die Betstätte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.