Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 258)
- Language
- German
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auch unsere alte Chaje, die Annehmerin hatte ihren Antheil davon erhalten! Wir wurden übrigens der Wahrheit geradezu entgegentreten, wenn wir behaupten wollten, es habe der-alten Frau dabei eine Persönlichkeit vorgeschwebt. Sie dachte nur an Eines: Wenn das Unrecht herauskommt, was dem todten Manne angethan worden, wie fange ich es dann an, daß das „Criminal" davon nichts erfährt? In ihrem Kopfe wirbelten in dieser Beziehung die krausesten Vorstellungen durcheinander; sie war nämlich fest überzeugt, daß die „oben" nur darauf warteten, mit gieriger Hand zuzugreisen, wenn sich in der „Gasse" irgend etwas ereignete, und so war es kein Wunder, wenn ihr schon jetzt alle Schrecken der strafenden Gerechtigkeit vor Augen schwebten. Polizeileute mit hochgeschwungenen Schwertern, und zwischen ihnen ein gefesselter Mann, dessen Ketten schauerlich rasselten . . . Und der gefesselte Mann war ein Kind der Gasse! Vorläufig that also die alte Annehmerin nichts, als das am Todtenbette Josels Vernommene in die geheimnißvollste Kammer ihrer Seele verschließen. Sie sprach mit Niemanden davon: sie verrieth sich mit keiner Geberde. Nur einmal fragte sie das Kind Josels, indem sie es auf den Schooß nahm: „Perlchen, mein Herz, weißt du etwas von einer Thür?" Das Kind starrte sie verwundert an. „Hat dein Vater, mit dem der Friede sei, niemals von einer Thür gesprochen?" Das Kind verneinte entschieden eine Frage, deren Sinn es gar nicht begriff. „Aus Dir werde ich auch nichts herausbringen," klagte Chaje, indem sie das Kind mit heftiger Geberde von sich