Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 256)
- Language
- German
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232 eine Ecke der Stube sitzte, „was soll aber ich damit? Mein Kopf muß jetzt stark sein, damit ich nicht vergesse, was dein Vater (mit dem der Friede sei) mir aufgetragen hat. Ich weiß nicht, ob das die Kräfte der alten Chaje nicht übersteigen wird; aber wenn ich verhüten kann, daß der Name Gottes nicht entheiligt wird, soll ich mich dagegen austhun und sagen: Lebendiger König im Himmel, warum suchst du dir nicht Andere heraus, die stärker sind und mehr ertragen können, als deine alte Annehmerin?" Wie man sieht, hatte die seltsame Frau, während sie sich mit dem Kinde des todten Mannes so „ausredete." bereits den hellen Kern gefunden, der ihr als Leitstern für ihr zukünftiges Thun dienen sollte. Ein Sterbender hatte ihr ein Unrecht geklagt; an ihm konnte es nicht mehr gut gemacht werden, aber es war eine Waise da, und das Unrecht an Waisen begangen, das nannte sie einfach eine „Entheiligung des göttlichen Namens." Für die alte ..Annehmerin" umschlossen diese wenigen Worte eine wunderbare Gefühlswelt, in deren Tiefe zu blicken uns kaum gegönnt ist. Seltsame Wandlung der Zeiten! Was einst die Zauberformel ungezählter Jahrhunderte und ungezählter Millionen Menschen bildete, das ist ein fast klangloser Begriff geworden, der sich jetzt selten mehr über die Lippen, noch weniger durch die Herzen schleicht. Es ist fast als wollte man ein langgehegtes Geheimniß verrathen. und ein Geheimniß von tiefernster Bedeutung ist es, daß diese engen „Gassen" mit diesen wenigen Worten keiner Heimsuchung, wie wuchtig sie auch traf, unterliegen konnten! Entheiligung des göttlichen Namens! Wie an einem Felsenwalle brachen sich daran die Wogen des Hasses und der Verfolgung. und die aus diesem Walle ihr Dasein vertheidigten,