Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 216)
- Language
- German
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192 Aufmerksamkeit der Gebildeten zu gewinnen, das Rechtsbewußtsein und das Selbstgefühl seiner Glaubensgenossen zu wecken. Einer der berühmtesten Wortführer des Liberalismus, Paulus in Heidelberg, beehrte die Erstlingsarbeit Riesser's mit einer Gegenschrift, die er sofort durch seine den gesetzgebenden Versammlungen Deutschlands gewidmete „Verteidigung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden" beantwortete. Ueberhaupt hat er sich in der ersten Zeit seines schriftstellerischen Lebens vorzugsweise, man darf sagen mit einer gewissen Vorliebe gegen die Widersacher unter den Bannerträgern der liberalen Partei, gegen Rottek, Jtzstein, Welker, später gegen Bruno Bauer und Karl Gutzkow gewendet. Nicht blos weil die Bedeutung des Gegners die Ehre des Kampfes erhöht, sondern weil es ihm vor Allem darum zu thun war, die eben erst in Anbau genommenen Felder des Liberalismus, auf denen die von ihm ausgestreuten Saaten einzig und allein reifen konnten, von dem häßlichen Unkraut des Judenhasses zu befreien. Um die Verhandlungen der deutschen Kammern, die sich in den ersten Jahren nach der Juli-Revolution überall mit der Judenfrage zu schaffen machten, auf der Stelle seiner Kritik unterwerfen zu können, hatte er eine zum größten Theil von ihm selbst geschriebene Zeitschrift: „der Jude, Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit" begründet, durch welche er einen nicht unwesentlichen Einfluß auf die Beschlüsse der süd- und mitteldeutschen Ständetammern gewann. Das Bündniß, das er mit den edelsten Freiheits- und Bildungstrieben des Jahrhunderts geschlossen, hat manchen seiner freisinnigen Gegner zum Nachdenken gebracht und entwaffnet, aber nur Einer, Karl Welker, hat seinen Jrrthum