Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 207)
- Language
- German
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183 versetzt, die nie und nirgend vorhanden ist; bei aller Menschenliebe ein tiefer Kenner der Menschen und der Dinge blieben ihm die bittern Enttäuschungen erspart, durch welche bei phantastischen Naturen die Liebe in giftigen Haß sich zu verwandeln pflegt. Auch auf den andern Abweg hat er sich nicht verirrt, der aus der Humanität in ein kosmopolitische- Jenseits führt. Ein deutscher Mann vom Scheitel bis zur Zehe, hat er früh erkannt, daß sein nächstes Ziel nur um den Preis einer Gesammteutwickelung des Vaterlandes zu einem deutschen Rechtsstaat zu erreichen sei, und er hat diesen Gedanken mit der ihm eigenthümlichen Warme und Begeisterung bereits in einer Zeit vertreten, in welcher er nur das Eigenthum eines auserwählten Kreises deutscher Patrioten gewesen ist. Seine Liebe zum Recht — zu dem Rechte, das mit uns geboren ist — ruhte auf dem starken Grunde sittlicher Überzeugungen, die im Rechtsstaat sich zu verkörpern haben, und L. K. Aegidi hat an seinem Grabe das schöne Wort sprechen dürfen: „In Rieffer ist das Recht Gemüth geworden." Sein Rechtsgefühl war daher nicht blos zerstörend, sondern wesentlich schöpferisch. War ihm auch vorzugsweise die Aufgabe zugefallen, an ererbtes Unrecht, an fehlerhafte Maaßregeln der Gesetzgebung, an die Willkür der Machthaber den Maaßstab seiner scharfen, immer zutreffenden Kritik anzulegen, so behielt er doch stets dabei im Auge, daß die Forderung der Rechtsgleichheit und der Gewissensfreiheit zu neuen Institutionen des Rechts sich auszugestalten haben, die an der Stelle verlebter Zustände, immerhin aber auf dem Boden gegebener Verhältnisse aufzurichten und einzubürgern seien, wenn sie nicht blos Forderungen bleiben, sondern Leben und Dauer gewinnen sollen.