Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 167)
- Language
- German
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Die eingehende Betrachtung, welche wir den Angelegenheiten unserer Glaubensgenossen im eigenen Vaterlande schuldig zu sein glauben, nöthigt uns zur gedrängten Fassung rücksichtlichunferer weiteren Umschau, wiestezunächstden Israeliten des größeren, des deutschen Vaterlandes gewidmet ist. Daß die Juden in Preußen unter dem gegenwärtigen Regime an dem allgemeinen Druck ihren Theil hinzunehmen haben, kann ihre Sache gewiß nur volksthümlicher machen, und sie durch größere Zuversicht in den Sieg derselben für die leidigen Zustände der Gegenwart entschädigen. Wenn ein Kleist-Rezow in öffentlicher Versammlung ausspricht, er müsse einen Staat, der die Gleichberechtigung der Juden anerkennt, als von Gott verlassen ansehen, so können sich die Juden damit trösten, daß dieß ja der Nämliche ist, der auch gesagt hat: man müsse die großen Städte — als Revolutionsherde — von der Erde wegrastren. Der Premier ist es, der die Juden als Handlanger der „schlechten" Presse stigmagtisirt; aber dieser Premier: es ist Bismark-Schönhausen! Und wenn Hr. v. Mühler seinen eben nicht sehr toleranten Vorgänger Bethmann Hollweg überbietet, und den Juden selbst die Lehrfächer der Mathematik und Geographie entzogen haben will, so ist Hr. v. Mühler eben Cultusminister neben und unter Bismark und schlägt mit seinem Votum den Voten sämmtlicher preußischer Universitäten in's Gesicht. Was unter so widrigen Conjuncturen dennoch durchgeseßt würde, ist um so höher anzuschlagen; vor allem find es die Verhandlungen in der Abgeordnetenkammer rückfichtlich der unbedingten Anstellung des Prof. Jutrosinsky an der Posen'schen Realschule, wobei auch die Verdienste Unger's und Jaffe's gebührende Würdigung fanden. Der Regierungscommiffar hatte der erneuten Petition der städtischen Behörden Posens wegen de*