Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 143)
- Language
- German
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119 — Ruhe gelangten Conflikte, die im Manne zum Durchbruch kamen: das Weib geht aus dem Manne hervor, trägt in sich alle Kräfte desselben, aber während er sch läst, die treibenden Gegensätze in ihm ruhen. Es ist demnach dem Manne verwandt, aber nicht gleich, hat eine besondere Daseinsform, aber keine selbstständige sich selbst genügende, besitzt alle männlichen Kräfte, aber nicht in ihrem Widerstreit. Diese jüdische Anschauung blieb maßgebend für die Auffassung und die Stellung des Weibes, ist der Erklärungsgrund für viele Erscheinungen, die in der Praxis sich entwickelt haben. Das jüdische Weib war nie ein Gegenstand ritterlichen Cultus; seine weiche Gemüthswelt. die Tiefe seines Herzens, die Zartheit seines Geistes, die Fülle seines Seelenlebens, die Weichheit seines Wesens, die Unwandelbarkeit der Muttertreue, wurden anerkannt und gewürdigt, und mehr als durch alle mittelalterlichen Turniere, welche der sinnlichen Erscheinung des Weibes huldigten, wird es durch den jüdischen Propheten gefeiert, indem sie „Gott sein Volk trösten lassen wie eine Mutter ihren Sohn tröstet," und das israelitische Volk zum Vertrauen auf Gott ermuthigen. „der dessen ebensowenig vergessen kann wie eine Mutter ihres Kindes." Troubadours und Minnesänger hat der jüdische Stamm nur in sehr geringer Zahl hervorgebracht; das „ewig Weibliche" aber, die unter allen Verhältnissen und bei allen Völkern edlern Seiten des Weibes, das rein Weiblich-Menschliche wurde von ihm gepriesen und verherrlicht. Was ist aus dem Frauencultus des mittelalterlichen Ritterthums geworden, welcher der äußern Schönheit seine Dienste weihte, die Form verehrte dem innernHeiligthum des Weibes aber fremd blieb! Es ist dahin geschwunden wie eine welke Blütbe der Sinnlichkeit, blos einiges dürre Laub hat sich davon im Umgänge und in nichtssagenden