Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 137)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-2609300--5438-2612789- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
113 — Tag die Lüge — erhält er doch keine Rüge., — Der Jrrthum selbst beweist den Leuten — daß er die Sterne weiß zu deuten — denn war' er der Sterne nie kundig gewesen — wie könnt' er auch falsch nur aus ihnen lesen. — Mittlerweile untergräbt er die Tugend — beim Alter wie bei der Jugend — denn jeder glaubt an der Sterne Geschick — und keiner will schmieden selbst sich das Glück. Dem Grammatiker und Philologen — ist jeder wohl gewogen — Am Ruhm den er erworben — ist Niemand noch gestorben — und wie er auch die Sprache meistert — und die Bücher all' bekleistert — von dem Strichlein grad und krumm — ward kein Sprechender noch stumm. — Ein Pünktlein ist ihm Haus und Herd — die Feder ist sein treues Schwert — Laßt ihm die Feder in Tinte getunkt — Was kostet denn uns ein Strich und Punkt? Wer schleicht einher, in der Hand die Rolle? — Ich fliehe, bleibe da, wer wolle — der Kluge eilt und entfleucht — ehe sein Blick uns erreicht — denn hat er uns erst wahrgenommen — wer will dann seinem Lied entkörnmen? —- Und ist er im Zuge, so wird's Euch applicirt — Ihr mögt wollen oder nicht, es wird deklamirt — Gott schuf die Dichter nicht zum Scherz — der Reimschmied hat ein reizbar Herz — und wer davon ist heimgesucht — der findet nirgends eine Bucht — zur Rast für seinen Kahn Von Stolz geblähet und von Wahn — glaubt er, daß der heil'ge Geist — auch leeren Scheitel stets umkreist — Doch echte Dichtung ist die Frucht — tiefer Weisheit strenger Zucht — Mit wenig Wissen, lockern Sitten — läßt sich Dichtung nicht erbitten — Anders meinens unsere Dichter — Versedreher. Splitterrichter — Wer zum Handwerk ist zu schwach Jahrb. f. Jsr. 1864. b