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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1864-01-01 · Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864) · p. Seite 95

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 95 (sequence 119)
Language
German
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95 Bibliothek vorfanden, enthielt eben so wenig Überflüssiges als die beschriebene erste Reihe. — Da fand sich nichts, was man in einer jüdisch-geordneten Wirthschast entbehren konnte: \ Die Bücher Moses sammt den Abschnitten aus dm Pro- ,1 pheten braucht jeder, der die Synagoge besucht, wie der j Tischgast seine Teller. Die Psalmen David's sind die unent- } behrlichste Panacee für Leiden und Mußestunden. Da findet man doch für alles Rath. Gegen Regen und Dürre, Brand ' und Ueberschwemmung, Pest und Geschäftsstockung. Wahnsinn und Judenhetze, Kornbrand und Gemeindestreitigkeiten, Unfruchtbarkeit nnd erfolgloses Studium, Heuschreckenschwärme und * fahrende Chäzanim. —Die „fünf Rollen" sind nicht minder! nöthig; im „hohen Liede" hört der arme Jude Lenz und 1 Lied erklingen, im Buche Ruth keimt aus Treue und Biederj feit ihm sein Königsstamm, den der Liedersturm der „Jam-! merklage" wird entwurzelt, der „Prediger" lehrt ihn die ' ganze Welt der Eitelkeit verachten, und aus dem Buche : Esther wächst der 50 Ellen hohe Galgen, den sich die Hamane selbst erbauen, und das Schandmahl, das sie in der Geschichte dieser Erde sich errichten, j Die dritte Bücherreihe hebt wieder von Neuem an. Da j stehen abermals Siddur und Machsor, die Bücher Moses j und die fünf Rollen — aber die Einbände sind reicher, die j Bücher dickleibiger, denn sie umfassen noch die jüdisch-deutsche! Uebersetzung, die den Texten beigegeben ist. Das ist der { Harem der. Bibliothek, das literarische Frauenboudoir. Das j hat Jtzig für die Andachtsbedürfnisse seiner Gattin angej schasst, die überdies noch eine Techina als anständige Hausj stau nicht entrathen darf. Die Techina, das ist ein so herzf warmes Gebetbuch in mutterdeutscher Ghettosprache eigends für gemüthtiese Weiber geschrieben. Das ist so ein kluges,

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