Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 64)
- Language
- German
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zusammengefaßten Wissenschaften sowie seine seltene Belesenheit in den Werken der griechischen Dichter und Philosophen. Nicht minder aber excellirt er durch außerordentliche Bibelkunde, für welche freilich die Einschränkung gilt, daß es nur rein Kunde der griechischen Uebersetzung war. Noch sorgfältiger, aber arbeitete er wie alle großen Männer an seiner Selbsterziehung, und es fehlt nicht an rührenden Proben davon in seinen Werken, wie er, der in glänzenden Verhältnissen lebte, die Einsamkeit aufsuchte, um zur wahren Erkenntniß zu gelangen. Dieses Streben nach Erkenntniß hinderte ihn dann auch etwa in ähnlicher Weise wie sein Bruder, der eine Art fürstlicher Würde in der alexandrinischen Judenheit bekleidete, in praktischer Wirksamkeit für seine Glaubensgenossen thätig zu sein. Nur einmal in seinem Leben — er war damals schon ein Mann im vorgerückten Lebensalter —rissen ihn seine glänzenden Talente und sein jüdisches Herz aus seiner Einsamkeit in die Wogen der großen Welt. Er mußte an der Spitze einer Gesandtfchast nach Rom, um beim Kaiser Caligula das Wort für die verläumdeten Juden zu nehmen. Diese Gesandtschaft und die Audienz bei dem bekanntlich geisteszerrütteten Caligula hat er uns selbst beschrieben. Sie ist nach vielen Seiten hin lehrreich genug. Wir aber wollen nur die eine Lehre daraus ziehen, daß auch aus diesem Berichte Charaktereigenschaften des Philo uns entgegenleuchten, die uns überzeugen, wie werth er ist, daß wir uns eine kurze Zeit mit ihm beschäftigt haben. II. Indem ich jetzt versuche, von der eigentlichen Lehre Philo's des Alexandriners zu reden, bekenne ich mich