Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 53)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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29 Geistesrichtung jener Zeit auf Jahrhunderte hinaus den Namen der alexandrinischen gegeben. Diese Richtung aber zu charakterisieren, fällt durch einen eigentümlichen Umstand nicht schwer. Unsere Zeit nämlich hat alexandrinische Gesichtszüge, nur versteht sich, da sie zweitausend Jahre älter ist, so sind diese Gesichtszüge wohl ähnlich, aber nicht gleich. Bekanntlich gibt es heutzutage m^ehr Leute, die über Schillerte und Göthe'sche Poesie schreiben, als solche, die ein Gedicht machen können, das denen von Schiller und Göthe an die Seite gesetzt werden könnte, mehr Leute, welche die alten philosophischen Systeme kennen, als solche, die ein neues aufstellen, kurz mehr Wissensch aftliche als in strengerem Wortverstande produktive Größen. Unsere Zeit hat wesentlich den Character des Epigonenthums. Und das ist auch genau der Charakter der alexandrinischen Zeit. Als der größte Aesthetiker und Kritiker des Alterthums, der Alexandriner Aristarch, gefragt wurde, warum er, der so vortrefflich den Homer zu beurtheilen verstände, nicht selbst Gedichte mache, antwortete er: Weil, so wie ich nicht will, ich nicht kann, und so wie ich kann, nicht will. So war der Alexandrinismus. Den Blick rückwärts gewandt, hob er die Schätze der früheren Zeit, besah sie aber auch genau, um zu beurtheilen, was edles Metall und was Schlacken daran war, kurz verhielt sich kritisch. In der Stadt des kräftigsten literarischen Lebens, wie überhaupt in Aegypten, lebten entweder seit Alexanders Zeit oder gar schon seit den Tagen des Propheten Jeremias, gewiß aber seit der Zeit des ersten Ptolemäers viele Juden, und erfreuten sich bis zur Römerherrschaft mit geringen Unterbrechungen einer durchaus befriedigenden bürgerlichen und politischen Existenz. Was Wunder, daß bald die Begabteren