Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 39)
- Language
- German
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15 Stoff nicht zu ignoriren, so geschah es, weil wir es als erste Pflicht desjenigen halten, der Beiträge zur Geschichte geben will, unparteiisch zu sein. Als die Israeliten das goldene Kalb gemacht hatten, trug Moses den Leviten auf, die Götzendiener zu bestrafen, selbst den Vater und den Bruder; und er rühmt es diesem Stamme vor seinem Tode nach: „der zu seinem Vater und zu seiner Mutter spricht: Ich habe ihn nicht gesehen, und seine Brüder kennt er nicht, und von seinen Söhnen weiß er nichts." Anderseits aber scheint es uns, daß es noth thue, die Vergangenheit in ihrer wahren Gestalt zu zeigen, um dadurch manchen bittern Vorwurf - von der Gegenwart abzuwälzen. Wir find überhaupt nur zu oft geneigt die Vergangenheit mit einem gewissen Glorienscheine umgeben zu sehen; — betrachtet man jedoch die Dinge genauer, so überzeugt man sich, daß sie anders sind, als wir meinten, und daß alle Berge, von der Ferne betrachtet, blau aussehen. Die kräftigsten Stellen der jetzigen Predigten sind die Worte der Propheten, die angeführt werden, und doch kann kein Prediger derartige Vorwürfe über den religiösen, moralischen und socialen Zustand des jüdischen Volkes in der Neuzeit aussprechen, wie sie die Propheten ihren Zeitgenossen gegenüber aussprachen. Me manches Herz, das religiös fühlt, wird von Jammer erfüllt, wenn es an die alte Pracht und Herrlichkeit Israels zurückdenkt, als das Heiligthum noch in Jerusalem stand und der Hohepriester „wie das Himmelszelt auf der Berge Gipfel; wie die Rose, die im Garten blüht; wie der Morgenstern in keinem Glanze war, anzuschauen. Wohl dem Auge, das dies Alles hat gesehen." — Fragen wir jedoch, wie viel es derartige Priester gegeben hat, die in solcher Weise den Dienst versahen, so werden wir eine