Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 339)
- Language
- German
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319 „Christian!" Minutenlange hielten sie sich umklammert, sie konnten von einander nicht lassen. Endlich rief Sarah: „Komm, Lea, mein Kind. Du weißt, wir sind mit dem letztenAnzuge für Channe Klattauer noch nicht fertig — und die Tobten können nicht warten. Komm!"- In stiller Nacht klirrte der Riegel an dem Thore des Synagogenhofes. Eine Gestalt drängte sich hinaus, Schritte wie die eines Verfolgten wurden in der schlaftrunkenen Gasse hörbar. Auf der Erde gab es ein Menschenglück weniger!- Viele Jahre später. Durch die „Gaffe" sieht man namentlich an Tagen, wenn die Sonne sich etwas behaglicher über die Häuser und Dächer legt, zwei alte Menschen wandeln, ein gebücktes, trippelndes Mütterchen und einen nur um wenig strammer austretenden eisgrauen Mann. Sie gehen Hand in Hand — und nur wenn die Mittagsglocke geläutet wird, gleiten ihre Hände aus einander. — Vor einem einstöckigen Hause, das hart am Rande des Baches steht, endet ihr Gang. Es ist Christian und Lea! Mit zitternden Ungern und trübgewordenen Augen, mit ergrauten Haaren und Runzeln aus Stirn und Wangen, so hatten sich die Zwei im Winter ihres Lebens wieder gefunden, die im Lenze von einander geschieden waren. Zw Laufe weniger Jahre hatte Lea Vater und Mutter begraben. Dann ging sie in die Fremde, und diente — und sparte Pfennig auf Pfennig und Gulden auf Gulden. Damit ging sie wieder in die alte Heimat. Eines Tages kam ein altes Mütterchen in der „Gasse" an