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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 318

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 318 (sequence 338)
Language
German
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318 „Sag' das nicht, Christian! sag' das nicht. Gott hört so was nicht gerne. Denk' Du lieber an die zerbrochenen Tafeln, und daß von diesem Augenblicke Alles aus und zu Ende sein muß, hörst Du gut, Christian? Alles zu Ende?" Christian wollte ausstehen, aber die sanfte Gewalt der auf seiner Schulter liegenden Hund hielt ihn zurück. „Christian!" rief Sarah mit hervorbrechenden Thränen, „willst Du denn deine Mutter nicht anhören? Ich Hab' Dich gepflegt und bewacht, und wenn Du krank warst, bin ich an deinem Bette gestanden, und wenn mein Mann Dich strenge behandeln wollte, habe ich es abgewehrt von Dir! Soll ich das Alles jetzt bereuen? Soll ich, willst Du der Welt ein Beispiel geben, daß man sein Herz verschließen soll wie einen Sack, in den auch nicht das kleinste Erbarmen hincindarf? D'rin liegt der Mann mit dem kranken Gehirn, wie wenn er einmal aufwacht und mich fragt: Wo ist meine Tochter Lea? Soll ich ihm sagen, das Kind, das ich bei mir ausgenommen hatte, dem Du an deinem Tische einen Platz hast eingeräumt, es hat die Schuld auf sich — daß Du deine eigene Tochter nicht mehr dein Kind nennen darfst? Soll ich ihm das sagen, Christian?" „Genug, genug Mutter!" rief Christian, schluchzend. „Zch habe Dich verstanden: Zerbrochen ist zerbrochen." „Und jetzt geh', mein Sohn Christian, und folge dem Rache deiner Mutter. Wandere so weit Dich deine Füße tragen und schaue nicht zurück. Es müssen Meilen und Länder und Berge liegen zwischen Dir und uns. Dann wird Dich Gott beschützen auf allen deinen Wegen — und denk' nicht mehr an uns." Sie hatte die Hand auf seinen Kopf gelegt und es war ein Segen, den ihre flüsternden Lippen dabei sprachen. Christian war aufgestanden. Seine Brust arbeitete heftig. „Lea!" rief er.

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