Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 336)
- Language
- German
- Belongs to
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316 „Christian! mein guter Sohn, Du mußt auf und davon, und mußt viele, viele Meilen wandern, bis ein so ein weites und großes Land ist zwischen Dir und uns, daß auch nicht ein Laut von uns zu Dir kommt, oder von Dir zu uns. Du mußt wandern und wandern und darfst Dich niemals Umsehen und keinen Augenblick Rast halten. Dann wird Dir wohl werden — und auch uns — Du mußt fort, mein Sohn Christian!" „Ich kann nicht, Mutter!" rief Christian, „ich werde es nicht thun! Zum zweiten Male lasse ich mich aus deinem Hause nicht jagen." „Sprichst Du so mit deiner Mutter, Christian?" Und nach einer längeren Weile sagte Sarah: „Es ist mir noch ganz gut erinnerlich, als wenn es erst heute geschehen wäre. Als Kinder seid ihr einmal unter demselben Baume gesessen, unter welchem wir jetzt sitzen. Du, Christian, hast aus einem kleinen Schulbüchelchen gelernt und Lea hat aus einer Schiefertafel etwas geschrieben, ich aber, ich habe Euch durch das Fenster belauscht. Da hat Lea ihre Schiefertafel zerbrochen, und wie sie geweint hat, hast Du sie getröstet und gemeint, die Tafel läßt sich wieder ganz machen, wenn erst der Drahtbinder kommt. Lea aber hat ausgerufen: Was zerbrochen ist, ist zerbrochen — Hörst Du mir gut zu, Lea?" „Za, Mutter!" tönte es leise zurück. „Was zerbrochen ist, ist zerbrochen, das sage ich auch," fuhr Sarah fort. „Es läßt sich nicht mehr ganz machen, und der Bruch ist auch nachher zu sehen. Warum habe ich mir das, was Lea damals gesprochen hat, so deutlich gemerkt und vieles Andere ist mir -entschwunden? Ich will Dir das erklären, Christian. So kindisch die ganze Sache war, so liegt doch darin ein starker Sinn und den müssen wir Beide uns merken. Was Du glaubst, Christian, und das was ich glaube, ich meine das, wie man es mit Gott dem All-