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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 244

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 244 (sequence 264)
Language
German
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Sarah wußte aus langer Erfahrung, daß man diesen spitzen Stachelreden der Großmutter nur mit Gleichmuth begegnen müsse, und so schwieg sie, und führte die alte Frau ehrerbietig zu einem Sitze. Es berührte sie aber doch schmerzlich, daß die Babe ihrem Töchterchen, dem einzigen lebenden Uringel (Urenkel) in der ganzen Familie, keinen Blick der Aufmerksamkeit schenkte. Das deutete auf eine liefe Verstimmung, deren Ursache nicht schwer zu ergründen war. Nach einer Weile fragte die Babe, die grauen kalten Augen auf Sarah richtend: „Wo ist dein Mann, Sarah?" „Er ist auf'ö Dorf gegangen, Babe, ein Bauer, der einen alten kupfernen Kessel zu verkaufen hat, hat ihn zu sich bestellt." „Hat denn dein Mann es noch nöthig, aufs Dorf zu gehen undalte kupferneKeffeleinzuhandeln?" meinte die-Labe, ihre schmalen Lippen zu einem spöttischen Lächeln zusammenzwängend, „die ganze Gasse redet ja davon, daß Wolf Ungar gesonnen ist, nächstens seinen Posten als Gemeindediener aufzugeben; er soll irgendwo einen großen gewaltigen Fund gemacht haben, davon will er wie ein Millionär leben — sagt die ganze Welt." „Ich weiß nichts davon, Babe," sagte Sarah in der Unbefangenheit ihres Herzens. „Es muß doch so sein," fuhr die Babe mit unbarmherziger Beredsamkeit fort, „und die Welt ist nicht aus den Kopf gefallen. Wolf Ungar lebt von dieser Welt, sie gibt ihm zu essen und zu trinken, wie kommt es dann, daß der nämliche Wolf Ungar, dem Gott schon ein Kind gegeben, damit nicht zufrieden ist, sich noch eines an die Füße bindet, das nicht einmal sein eigen Fleisch und Blut ist?" So unbegrenzt und bedingungslos war zu jener Zeit die Ehrfurcht, mit der ein Enkelkind seinem Ahn gegenüberstand, und mochte es noch so sehr mit strafenden Worten überhäuft werden, daß

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