Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 250)
- Language
- German
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230 Indessen ist ein neues, erleuchtetes Ministerium an's Staatsruder getreten, welches mit Hellem Blicke all die im Namen der Religiosität heraufbeschwornen Wirren durchschaute, und man darf hoffen, daß der Rückblick auf jene Zustände, wie wir sie geschildert, beiBe- Hörden wie in unserer eigenen Mitte folgende Grundsätze zur Anerkennung bringen werden. Erstlich ist es von heillosen Folgen, aus religiösen Meinungen auf politische Gesinnungen zu schließen. Dem Staate gegenüber ist die Religion ein Factor zur Hebung der Sittlichkeit und Bildung. Ihm steht wohl kein Gewissenszwang zu, aber er darf immerhin von jenenFormen, welche derCultur, dem Anschlüsse an dasStaatsleben, der bürgerlichen Brauchbarkeit Vorschub leisten, mehr Unterstützung seiner Intentionen erhoffen, als von jenen Formen, die die Scheidewand zwischen Bürgern und Bürgern nur verdichten, und der allgemeinen Gesittung fremd gegenübersrehen. Die Behörde darf zweitens nicht bei einzelnen unberechtigten Individuen Auskunft über jüdische Verhältnisse holen, sondern muß entweder competente ständigeOrgane dafür haben, oder das Gutachten der Körperschaften erheben. Die Gemeinden sollen wohl ihr Recht der Autonomie wahren, die Vorstände ihr Ansehen aufrecht erhalten, aber mit dem Zurückbleibenden Nachsicht üben, Popularität durch einfache Formen zu erlangen suchen. Die Trotzköpfe und Opponenten müssen in ihre Schranken gewiesen, dagegen billigen Anforderungen wie bisher Rechnung getragen werden. Die Unwissenden müssen belehrt, die Wissenden zum Lehren und die Schreier zum Schweigen gebracht werden. Den Parteien sei gestattet, wie bisher aus eigenen Mitteln sich Bechäuser zu errichten, aber es erwachse ihnen hieraus kein