Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 224)
- Language
- German
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204 mitgenommen, hatten nun eine besondere Kriegsbeschwerde. Das große Ziel war erreicht! Der Leibzoll in modernsten Styl, die letzte Zudensteuer vom jüngsten Datum war in der Form eines Sectenkampfes errichtet. Wir brauchen kaum hinzuzufügen, daß die Regierung und ihre „gutgesinnten" jüdischen „Referenten" nichts Eiligeres zu thun hatten, als den Synagogenstreit und seinen Parteien politische Kunstausdrücke zu verleihen, und sie den zwei großen Hauptrubriken des Royalismus und der Revolution zu subsummiren. Um die unsäglich komische Confusion, die hieraus erwuchs, kümmerte man sich nicht. Mochte z. B. das eine Ministerium von seinem Standpuncte aus diesen oder jenen Juden als treuen Anhänger des Absolutismusbezeichnet haben, so wurde er doch vom Cultusministerium der rituellen Anschauungen wegen als wilder Republikaner notirt. Da wurde Einer schwarzgelb, dort rothgrünweiß, und dort wieder blutroth angestriechen, bis er zuletzt so vielfärbig tätowirt aussah, als wäre er unter die Papuas und Australneger gerathen. In noch höherem Grade wurde die Jdentisicirung der Synagvgenmit den politischen Parteien lächerlich, wenn man einige Objecte des ritualen Streites näher in's Auge faßte. Handelte es sich z. B. darum, eine Estrade in dem Bethanse vier oder zehn Schuhe weit von der Ostwand anzubringen, flugs erklärte man die vierschuhig Gesinnten für Radicale, die Anhänger der zehnschuhigen Dimensionen für Träger des Rvyalismus. Ward dagegen debattirt, ob der Sängerchor vierstimmig oder zehnstimmig sein sollte, so galt der vierstimmige als gutgesinnt und der zehnstimmige als Wühlerei. Aus uralten Zeiten, als noch die ganze Zudenheit in Glaubenssachen von den Exilarchen und Akademiehäuptern zu Babylonien abhängig war, ist ein Gebet für langes Leben, Gesundheit, Leibesstärke, auskömmliches Gehalt und bestes Wohlergehen dieser theuren Häupter der Synagoge in den Gebetbüchern stehen geblieben. Seit mehr als