Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 214)
- Language
- German
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194 welches ihre Zukunft sein wird, wenn ihre Jugend in katholischen oder überhaupt in pietistisch-confessionellen Elementar- und Bürgerschulen erzogen wird, und unter entgegenwirkenden Einflüssen der Schule und des Lebens heranwächst in Unwissenheit über Alles, was geeignet ist, den Zusammenhang mit dem Zudenthum zu erhalten. Wie aber die Thatsachen, die aus dem Gebiete des Schulwesens in der hiesigen Gemeinde vor uns liegen, so möchten auch die hier bereits gemachten Erfahrungen anderswo der Beachtung werth sein. Es haben früher hier jüdische Privatschulen bestanden, zum Theil unter Leitung bewährter Schulmänner (unter Dr. S. Stern, jetzt in Frankfurt, unter A. Horwitz und Pick); die Schulgelder allein haben aber zu ihrer Erhaltung nicht ausgereicht und jene Schulen sind eingegangen. Andererseits bestanden die von der Gemeinde fundirten Schulen; sie erzielten aber vornehmlich durch den Mangel an geeigneten Lehrkräften nur dürftige Erfolge, siechren in kümmerlichem Dasein hin, und nahmen erst dann einen Aufschwung, als tüchtige, für den Lehrberuf eigens ausgebildete Männer vorhanden waren und berufen werden konnten. Daraus ergeben sich, hier und gewiß auch anderswo, für das Bestehen und gedeihliche Wirken jüdischer Schulen zwei unerläßliche Bedingungen: Fundation der Schulen durch die Gemeinden oder durch Stiftungen und das Vorhandensein zweckmäßig vorgebildeter, tüchtiger jüdischer Lehrer. Die Erfüllung dieser zweiten Bedingung ist aber wesentlich abhängig von der B egründung jüdischer Lehrer-Bildungsanstalten. Berlin, 17. Juni 1862.