Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 185)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2609281-2609298--5145-2612495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
U>5 Indem er nach außen rastlos kämpfte um die bürgerliche Gleichstellung seiner Glaubensbrüder ju begründen und sicherzustellen, suchte er seine Gemeinde im Glauben zu bekräftigen und mit dem Geiste der Wissenschaft zu tränken. Er unterrichtete junge Leute, er hielt Vorlesungen vor zahlreichen Zuhörern aus den religionsphilosophischen Schriften der spanisch-jüdischen Schule, er predigte zuerst im alten Gotteshause zu Dresden in deutscher Sprache und hielt daselbst die erste Konfirmation. Er war der eifrigste und regste Begründer der neuen herrlichen Synagoge, er stiftete den Mendelssohnverein und organisirte den Kcankenunterstützungsverein re. Als Jude war er gewissermaßen ein llnicum. Er hatte eine unabhängige Stellung im Leben, und seitdem er zum Manne heranreifte bis zu seinem Tode stand er unablässig auf der Warte, um das Recht seines Volkes zu wahren. Dieses war das Ziel seines Lebens, nach welchem er unablässig strebte, lim dieses zu erlangen, hatte er einen zweifachen Kampf zu kämpfen gegen die äußeren und inneren Feinde des Zudenlhums. Er kämpfte mit den Waffen der Wissenschaft und mit jenem heiligen Eifer, der die alten Glaubens- Helden beseelte. Zugleich suchte er das höhere sittliche Princip des Judenthums und dessen erhabene Lehren in den Herzen seiner Glaubensgenossen zu befestigen. Mit dem eroberten Rechtszustande nach außen sollte auch die geistige und sittliche Wiedergeburt des Volkes erfolgen. Seine Vertrautheit mit den mannigfachen Disciplinen der Wissenschaft und seine ausgebreitete Kenntniß auf jüdisch-religiösem Gebiete standen ihm hilf- und oft siegreich zur Seite. Mehr aber noch als dieses, er war ein Mensck in der edelsten Bedeutung des Wortes. Der Mann, welcher mit seinem forschenden, prüfenden Geiste in die Tiefen der Wissenschaft sich versenkte und die schönsten Perlen ans derselben hervorholte, bewahrte sich ein kindlichrcines Gemüth Er nahm den innigsten Antheil an dem Glücke und Gedeihen eines Jeden und war betrübt, wenn er