Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 149)
- Language
- German
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129 Unannehmlichkeiten, ohne kränkende Zurückweisung, dabei ganz unabhängig von der Willkür eines Einzelnen, war mir etwas Neues, in hohem Grade Anfeuerndes. Ich versprach mir von der Schriftstellerei die herrlichsten Früchte, mehr als sie überhaupt vielleicht bieten konnte, jedenfalls mehr, als sie mir in der Folge bot. Der Trieb nach Publicität, der in der Jugend vorwaltet, hatte zu meiner Zeit kein anderes Feld, als das Theater. Ich schrieb also erst über das Theater, meist gegen das Theater, und endlich für das Theater. Meine erste dramatische Arbeit war ein dreiactiges Lustspiel: „Die Wortbrüchigen," das in Prag und ich glaube auch in Brünn zur Darstellung kam. Das Stück konnte es wegen des erttäglichen Dialogs und einiger komischer Scenen zu keinem rechten Durchfall bringen; zu einem bleibenden Gefallen versteht sich noch viel weniger. Bald daraus schrieb ich auf dessen dringendes Ersuchen mit W. M. Gerle „Die zwei Kranken", am Wiener Hosburgtheater unter dem Titel: „Die kranken Doctoren" bekannt. Auch eine mit viel jugendlicher Keckheir unternommene Bearbeitung der „lustigen Weiber" von Windsor hielt sich ziemlich tapfer auf dem Repertoir des Wiener Hof- und des ständischen Theaters in Prag und gab zu sehr possierlichen Beurtheilungen Veranlassung, indem man oft mich für Shakespeare und eben so oft Shakespeare für mich verantwortlich machte. Seitdem habe ich mich weder mit einem tobten noch lebenden Mitarbeiter mehr verbunden, sondern allein mein Heil versucht. Erfolge und Schlappen wechselten mit einander. Im Ganzen genommen Hab' ich in meiner Bühnenthätigkeit— wenn ein so spärliches Produciren noch Thätigkeit zu nennen ist — viel Freundlichkeit erfahren. Selbst über die böse Stiefmutter Kritik habe ich mich so eigentlich nicht zu beklagen. Daß in meinen Produktionen dem Herzen zu wenig Antheil gegönnt ist, hat sie an mir stets mit Bitterkeit gerügt. Die Bitterkeit hätte unterbleiben, aber den Vorwurf — das sehe ich jetzt ein — muß ich gelten lassen. Es Iahrb. f. Isr. 1863. 9