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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 126

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 126 (sequence 146)
Language
German
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126 n. Dr. I. I. Lederer. Eine Skizze meines Lebens wollen Sie? Seltsames Begehren! Befehlen Sie doch einem armen Teufel, daß er sein Caffabuch zu Gericht lege. Der Mann hat keine Caffa und braucht kein Buch. Das ist eben der Hauptübelstand meines Lebens, daß eigentlich gar kein Leben d'rin ist. Oder heißt das etwa Leben, daß ich in Prag geboren bin (den 23. August 1808), eine kränkliche Kindheit überstand, meine Jünglingsjahre ohne Anregung, ohne Leitung, ohne Richtung verzettelte, und endlich ein alter Mensch geworden bin, ohne je ein junger gewesen zu sein. Ich war ungefähr zehn Jahre da, übersiedelte mein Vater, um in der Hauptstadt des Kaiserthums wo möglich ergiebige Nahrungswege zu finden, nach Wien. Meine Mutter blieb mit den Kindern — deren jüngstes ich war — in Prag zurück, und nur einmal alljährlich besuchte uns der Vater auf ganz kurze Zeit. Ich wuchs demnach ohne männliche Erziehung auf. Diesem Umstande mag das Unmännliche, Unkrästige meines ganzen Wesens zuzuschreiben sein. Meine Mutter war zwar eine energische Frau, der es an Geist und Kenntnissen nicht fehlte, aber doch immer eine Frau. Männlicher Halt lernt sich nur von einem Manne durch Intuition, durch Beispiel. Ueberhaupt waren meine Eltern früher wohlhabend. Gerade um die Zeit meiner Geburt gingen sie im Vermögen mehr und mehr zurück. Wäre nur eine finanzielle Katastrophe mit einem Schlage hereingebrochen! Man findet sich in einen plötzlichen Umschwung der Lebensverhältnisse weit leichter! Die allmälige Verarmung aber prägt einer ganzen Familie den Stempel der Verkommenheit auf und drückt mit einem Bleigewicht die Geschicke nachfolgender Geschlechter. So geschah z. V. für die Erziehung meines ältesten Bruders so viel, für meine Schwester schon weniger, und für mich — o wäre nur lieber gar nichts ge-

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