Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 142)
- Language
- German
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122 ganzen Aufenthaltes in Hellas war. Diele geistig vergnügte Abende brachte Feldmann in einem in Athen gegründeten deutschen literarischen Zirkel zu, in welchem besonders der jetzt so bekannte lyrische Dichter Geibel sich auszeichnete, der damals Hofmeister im Hause des russischen Gesandten war. Auch der Bekanntschaft mit dem Fürsten Pükler, bei welchem er mehrere Tage auf Sira zubrachte, find schöne Rückerinnerungen in seinen „Reisebildern" gewidmet. Endlich am 20. April 1840 verließ Feldmann Athen für immer, und reiste über Smyrna nach Konstantinopel. Die Frucht seines dortigen sechswöchentlichen Aufenthaltes waren ebenfalls einige Reisebilder und Lieder, die mit dem lustigsten Humor durchflochten find. Die Sehnsucht nach der Heimat und der Drang, fick ganz der dramatischen Literatur zuzuwenden, ließen unseren Reisenden nicht mehr länger in fremden Landen. Ein österreichisches Dampfschiff brachte den nun an Welterfahrung reichen und in jeder Beziehung gereiften wandernden Dichter durch das schwarze Meer an die Donaumündung nach Sulina, und von dort sodann aufwärts nach Wien, wo Feldmann Ende Juni 1840 ankam. Hier wieder in die Arme seiner langjährigen Freundes Saphir eilend, verschmähte Feldmann in seiner Bescheidenheit, stch den Wiener Celebritäten der Literatur und Kunst vorstellen zu lassen, indem er sagte, er wolle erst etwas gethan haben, um dieser Ehre würdig zu sein. Nach fünfjähriger Abwesenheit in seiner Vaterstadt wieder angelangt, war Feldmann als dramatischer Dichter vergessen. „Der Sohn auf Reisen," nur zweimal gegeben, ward nach des Verfassers Abreise von München nicht wiederholt, keine andere Bühne machte einen Versuch mit dessen Erstlingswerk, und Feldmann rief schmerzlich aus: „Ich war fünf Jahre todt!" Da kam Feldmann auf den Gedanken, das Stück als Manuscript drucken zu lassen, und es nochmals an die Bühnen zu versenden, welche