Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 115)
- Language
- German
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95 der Verfaffungsurkunde fallen die Worte „einem der drei christlichen Glaubensbekenntnisse anzugehören" weg. Vemerk.enswerth ist es, daß Prälat von Dettingen und Domkapitular von Ritz es als ein geistiges Armuthszeugniß von Seite der Christen erklärten, wenn sie sagen, daß sie es mit den Juden nicht ausnehmen können. Der Rechenschaftsbericht der Waisenanstalt Wilhelmspflege enthält wieder erfreuliche Mittheilungen. In Baden hatte die Emancipation schwerere Kämpfe zu bestehen. Es wurde gewaltig agitirt, um Petitionen dagegen zu betreiben. Häußer war es, der den Bericht abfaßte und den Inhalt der colportirten Petitionen widerlegte. Solche Petitionen sind im Ganzen bei der zweiten Kammer 194 mit über 18,000 Unterterschriften angelangt. Allein in der am 25. April d. I. stattgefundenen Sitzung des Abgeordnetenhauses ging das Gesetz über die bürgerliche Gleichstellung des Juden einstimmig durch. Der Advocat Kusel aus Carlsruhe wurde in das Abgeordnetenhaus gewählt. Dr. Weil wurde zum ordentlichen Professor an der philosophischen Facultät zu Heidelberg ernannt. Auch in Baden versuchte eine kleine Schaar eingedrungener Finsterlinge Zwietracht hervorzubringen. Ein Pole, Namens Plato, hatte die Stirne, dem Ministerium des Innern einen Organisationsentwurf zu überreichen, in welchem ein geistliches Mitglied des Oberraths über Alle als Großinquisitor aufgestellt werden sollte, und worin vorgeschlagen wird, den dem Fortschritt huldigenden Juden allen Rechtsschutz zu entziehen, da allein die dem alten Judenthum treu gebliebenen die legitimen physischen und moralischen Erben des zu allen Zeiten in Baden geübten Rechtsschutzes seien. Wir brauchen wohl nicht erst hinzuzufügen, daß der Schritt ohne weitere Folge blieb.