Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 112)
- Language
- German
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92 rung des Kanzlers von Preußen, Dr. v. Zander, gutachtlich beantragte, die Juden von dem Handelsrichteramte auszuschließen, Hat das westpreußische Appellationsgericht zu Marienwerder sich gutachtlich einstimmig dahin entschieden, daß Juden auch zu Handelsrichtern zugelassen werden müßten. Die Ernennung Mühler's an die Stelle des ausgetretenen Cultusministers Bethmann-Hollweg wird nichts weniger als «in Fortschritt bezeichnet. Die Schulstatistik in Preußen gibt auch für das verflossene Jahr ein glänzendes Zeuaniß für den Drang ab, welchen die preußischen Juden nach Bildung und Unterricht empfinden. Während unter 100 Seelen in Preußen l1/, auf die jüdische Confessio» kommen, befinden fich auf den Gymnafien unter 100 Schülern 4 jüdische, aus den Realschulen erster Claffe unter 100 Schülern 91/, jüdische, in deren Vorschulklassen 8 jüdische, auf den Realschulen zweiterClasse unter 100 Schülern 6ys jüdische. Im Durchschnitt besuchen demnach diese Schulen verhältnißmäßig fünfmal so viele Juden als Christen. Der Zunftgeist verband fich mit dem Junkerthukn, um gegen die Erweiterung der Gewerbesreiheit zu Ungunsten der Juden zu agitiren. Die betreffenden Umtriebe haben jedoch zu keinem Resultate geführt. Die Orgelfrage hat in Berlin zu Meinungsconflicten geführt. Der Gemeindevorstand hat die Einführung einer Orgel beschlossen. Das Gutachten des Dr.Saihs war dagegen gerichtet. (Ein im letztgedachten Sinne in der „Neuzeit" Nr. 19, Jahrgang 1862, von dem Oberrabbiner Dr. Oppenheim in Groß-Becskerek aufgenommenes Gutachten erscheint uns beherzigenswerth.) Für die Wissenschaft des Judenthumes gerirt sich die Universitätsstadt Breslau immer mehr als Hauptsitz. In erste Linie ist das fort und fort heilsam wirkende jüdisch-theologische Seminar zu stel-