Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 111)
- Language
- German
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91 zwei Juden, Leoner Reichenheim und Dr. Med. Kosch, gewählt. Johann Jacoby lehnte hiebei die auf ihn gefallene Wähl ab. In Danzig sungirte ein Jude als Wahlvorsteher und verpflichtete bei dieser Gelegenheit einen evangelischen Pfarrer und einen Kreisgerichtsrath, die zu Beisitzern gewählt waren, an Eidesstatt. Als Gemeinderäthe, namentlich im Posenschen, gingen wiederholt Juden aus den Wahlen hervor. Ein von ministerieller Seite ausgegangener Angriff auf das Judenthum erregte allgemeine Indignation und führte eine glänzende Genugthuung herbei. Der Minister Bethmann-Hollweg hatte sich in der Abgeordnetenkammer den Ausspruch erlaubt: nur das Christenthum bewirke Duldung Andersgläubiger, der Atheismus, wie das Judenthum seien versolgungssüchtig. Dr. Beit forderte den Minister auf, dieAeußerung in Betreff des Judenthumes, die mit allen Zeugnissen der Geschichte in Widerspruch stehe, zurückzunehmen. Die Antwort befriedigte nicht und rief eine Replik von Seite des Dr. Beit hervor. Darauf erklärte Bethmann in einem am 12. März an Dr. Beit gerichteten Schreiben, daß die Worte, die er gesprochen, in ihrer Kürzt vielleicht mißverständlich waren, auf die jüdische Gemeinde in der Gegenwart aber wirklich keine Beziehung hatten. Der Doctor der Philosophie und Medicin PH. Jaffö aus Posen, dessen Berdicnsie um die Wissenschaft, namentlich durch seine „Regesten derPäbste", auch in diesem Jahrbuch gewürdigt wurden, wurde endlich zum außerordentlichen Professor an der Berliner Universität ernannt. In Posen wurde ein Jude als Lehrer für Sprachen und Naturwissenschaften an der Realschule definitiv angesteüt. Falsch erwies sich dagegen das Gerücht, als ob der Justizminister die Verwendung jüdischer Rechtscandidaten als Staatsanwaltgehilfen angeordnet haben sollte; vielmehr beharrte derselbe bei seinen intoleranten Ansichten. Während das Appellationsgericht in Königsberg unter Füh-